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25.2.2017 : 8:06 : +0100

Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven (*16. Dezember 1770 in Bonn; † 26. März 1827 in Wien) ist der bedeutendste Sinfoniker der Wiener Klassik. Der Sohn des kurfürstlichen Hoftenoristen Johann van Beethoven wurde 1781 Schüler von Christian Gottlob Neefe (*1748, 1798), der ihn mit Werken der Vorklassik, besonders der Mannheimer Schule, bekannt machte und sich schon 1782 von ihm an der Orgel vertreten ließ. 1784 wurde Beethoven Mitglied (Bratschist und Cembalist) der Hofkapelle in Bonn. 1787 reiste er auf Kosten des Kurfürsten nach Wien, um Schüler von Mozart zu werden, jedoch musste er den Aufenthalt schon nach 14 Tagen wegen schwerer Erkrankung seiner Mutter abbrechen. 1792 reiste er ein zweites Mal nach Wien und wurde Schüler von Haydn (Mozart war inzwischen gestorben). Außerdem studierte er Theorie bei Johann Georg Albrechtsberger und italienische Gesangskomposition bei Antonio Salieri.

In Wien trat Beethoven am 29.3. 1795 erstmals öffentlich als Pianist mit seinem Klavierkonzert B-Dur op.19 auf; im gleichen Jahr gab er als op.1 drei dem Fürsten Carl Lichnowsky gewidmete Klaviertrios heraus. Vielfältige Förderung wurde ihm in den Häusern des Wiener Adels zuteil, in die er durch den Grafen Ferdinand von Waldstein eingeführt wurde. Als Pianist, Lehrer und Komponist genoss er hier bald großes Ansehen. Seit er Bonn verlassen hatte, nahm er keine Stellung mehr an und bestritt seinen Lebensunterhalt vorwiegend mit Widmungskompositionen. Als König Jérôme von Westfalen ihn 1808 nach Kassel berief, setzten ihm Erzherzog Rudolf (ein Schüler von Beethoven), Fürst Franz Joseph von Lobkowitz und Graf Ferdinand von Kinsky ein Jahresgehalt von 4000 Gulden aus, um ihn in Wien zu halten. Mit Ausnahme einer Reise nach Prag, Dresden, Leipzig und Berlin (1796) und Badeaufenthalten u.a. in Teplitz (1811 und 1812, Begegnung mit Goethe) hat Beethoven Wien nicht mehr verlassen.

Um 1810 stand Beethoven auf der Höhe seines Ruhms. Ein Gehörleiden jedoch, das sich seit 1795 bemerkbar machte, 1808 zu starker Schwerhörigkeit und gegen 1819 zu völliger Taubheit führte, beeinträchtigte ihn stark. Er zog sich mehr und mehr aus der Gesellschaft zurück und musste auch das Konzertieren aufgeben. Ausdruck seines Leidens und seines Ethos ist das als Abschiedsbrief an seine Brüder 1802 niedergeschriebene »Heiligenstädter Testament«. In den letzten Lebensjahren war, wie die »Konversationshefte« bezeugen, die Verständigung mit ihm nur noch schriftlich möglich. Ein Leber- und Darmleiden, vermutlich aufgrund einer Bleivergiftung, führte 1827 zum Tod. Der österreichische Dichter Franz Grillparzer schrieb die Grabrede. Tausende nahmen an seiner Beisetzung am 29. 3. 1827 auf dem Währinger Friedhof teil; Schubert war einer der 38 Fackelträger während des Leichenzugs an Beethovens Sarg. 1888 wurden Beethovens Gebeine auf den Wiener Zentralfriedhof überführt.

Werk:
Im Schaffen Beethovens steht die Instrumentalmusik im Mittelpunkt: Durch ihn wurde sie zum Inbegriff von Musik als Empfindungssprache des die Welt erlebenden Menschen. Schon in den Werken der ersten Schaffenszeit (bis etwa 1802), den Klaviertrios op.1 (1795), Klaviersonaten (»Sonate pathétique«, 1798/99), Streichquartetten, Sinfonien (Nr.1 C-Dur 17099/1800) und Klavierkonzerten (Nr.3 c-Moll, 1800/02) ist der unverkennbar »beethovensche Ton« voll ausgeprägt: der prägnante Charakter des Hauptthemas, das den Einzelsatz auch in den Entgegensetzungen und Synthesen strukturell und inhaltlich durchweg bestimmt, die Ruhe und Innigkeit der Mittelsätze, das tanzhaft Derbe oder Trotzige der Scherzi und die von innen her befreiende Kraft der Schlusssätze. Später wurden diese Merkmale vertieft und in den Dimensionen vergrößert: die Verarbeitung des kontrastierenden Materials in Durchführung und Coda (3.Sinfonie »Eroica«), die Darstellung des Leidenschaftlichen (»Kreutzersonate«, »Sonata appassionata«), das Dramatische (Ouvertüre »Coriolan«), das tänzerisch Überschwängliche (7.Sinfonie), die Ausstrahlung von Trost, Ruhe und Erhabenheit (Adagio der 4.Sinfonie, 6.Sinfonie »Pastorale«).
Die späte Schaffenszeit, die mit den letzten fünf Klaviersonaten beginnt und an deren Ende die letzten fünf Streichquartette stehen, ist bestimmt durch den Rückzug in die innere Welt, den die Taubheit förderte und aus dem heraus Beethoven zu einem Spätstil gelangte, in dem das sinnliche Sichmitteilen in Tönen mit höchster Geistigkeit des kompositorischen Denkens verbunden ist. Zugleich steigerte sich in den für die große Öffentlichkeit bestimmten Werken die Botschaft an die Menschheit. Höhepunkte sind hier die 9.Sinfonie, die um die ideelle Aussage zu verdeutlichen im Chorfinale nach dem Text von Schillers Ode »An die Freude« die menschliche Stimme einbezieht, und die »Missa solemnis«, in der Beethoven betont kirchenmusikalische Kompositionstraditionen aufgriff und in seinen auch im Vokalschaffen wesenhaft sinfonischen Stil einbezog. Seine einzige Oper »Fidelio« hat wie die drei Fassungen und die mehrfachen Lösungen des Ouvertürenproblems schon äußerlich anzeigen den Instrumentalkomponisten Beethoven mühevoll beschäftigt.

Mit Beethoven entstand eine neue Art des kompositorischen Arbeitens. Nachdem ein sich beständig vergrößerndes Musikpublikum durch Haydn und Mozart gelernt hatte, anspruchsvolle Instrumentalmusik zu verstehen, vergrößerte sich nach der Jahrhundertwende dieser Anspruch und damit das Verlangen nach Neuartigkeit der Musik und zugleich ihr Marktwert immer mehr. Hatte Haydn noch über 100, Mozart knapp 50 Sinfonien geschrieben, so reduzierte sich die Zahl bei Beethoven auf neun, von denen jede einen ganz individuellen Charakter hat. In die Schaffensweise Beethovens, die Prozesse des kompositorischen Ringens und Reifens, geben die mehr als 5000 Blätter umfassenden Skizzenbücher Einblick.
Mit Beethoven gelangte die Musik der Wiener Klassik zu ihrem Höhe- und Endpunkt. Klassisch ist bei Beethoven nicht nur die musikalische Form, in deren Mittelpunkt nach wie vor der Sonatensatz steht, sondern auch die völlige Kongruenz von Form und Gehalt. Neu bei ihm gegenüber Haydn und Mozart sind die Betonung des ethischen Moments, das Setzen von Widerständen, das Andrängen des Willens gegen sie und die Gestik der befreienden Überwindung. Darin unterscheidet sich Beethoven von der gleichzeitigen musikalischen Romantik: Er stellt der wirklichen Welt nicht eine »andere Welt« gegenüber, sondern seine Musik richtet sich an die Welt, um sie zu bessern und zu veredeln. Zugleich jedoch begann mit Beethoven musikgeschichtlich das »19. Jahrhundert«: Ihm galt er als unumstrittener Superlativ aller bisherigen Musik. Auch wenn dann im Zentrum dieses Jahrhunderts die Musik in die Gegensätze von Form- und Inhaltsästhetik, Programmmusik und absoluter Musik, neudeutscher und konservativer Schule, Wagner und Brahms auseinander fiel, haben sich doch beständig beide Seiten auf Beethoven berufen.