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17.10.2017 : 10:00 : +0200
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Olivier Messiaen

Olivier Messiaen (1908-1992) kam am 10. Dezember 1908 in der französischen Stadt Avignon zur Welt. Als sein Vater 1914 den Kriegsdienst antreten musste, zog die Familie nach Grenoble. Schon früh kam Messiaen mit Kunst und Literatur in Berührung. Mit acht Jahren begann er, sich das Klavier spielen beizubringen. Nachdem der Vater aus dem Krieg zurückgekehrt war, ließ sich die Familie in Paris nieder. Messiaen studierte von 1919-30 am Pariser Konservatorium Orgel bei Marcel Dupré, Komposition bei Paul Dukas, Klavier und Schlagzeug.

Messiaens erste kompositorische Werke erregten schon früh Aufsehen. 1931 übernahm Messiaen für etwa 60 Jahre die Organistenstelle an St-Trinité in Paris. Ein Jahr später heiratete er die Geigerin und Komponistin Claire Delbos, die jedoch nur wenige Jahre nach der Geburt des Sohnes Pascal (*1937) an einem Nervenleiden erkrankte und 1959 starb. Gemeinsam mit André Jolivet, Yves Baudrier und Daniel Lesur trat Messiaen 1936 als Gründer der «Jeune France» hervor, einer stilistisch uneinheitlichen Gruppe, die die Legitimation der Musik in ihrem Bekenntnischarakter suchte. Für seine Kompositionen ließ sich Messiaen von der Zahlenmystik, indischer und griechischer Rhythmik, vom Vogelgesang, dem Gregorianischen Choral und von Werken Debussys, Strawinskys, Mussorgskijs und Bergs inspirieren. Sein Klavierstück «Mode de valeurs et d’intensités» gilt als erste Komposition der seriellen Musik.

Von 1936-39 unterrichtete er an der Pariser «Ecole Normale de Musique» und an der Schola Cantorum. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Messiaen wegen seiner hochgradigen Sehschwäche als Krankenpfleger eingesetzt. Er wurde von den Deutschen gefangen genommen und verbrachte  knapp neun Monate als Kriegsgefangener im Stammlager Görlitz, wo er das «Quatuor pour la fin du temps 1/22» komponierte und mit Hilfsinstrumenten uraufführte. In diesem Quartett verwendete er das erste Mal Vogelrufe.

Nach seiner Rückkehr nach Paris übernahm er am Konservatorium Klassen für Harmonielehre und Analyse. Von 1966 bis 1978 hatte Messiaen eine Professur für Komposition inne. In dieser Zeit bildete er viele erfolgreiche Komponisten des 20. Jahrhunderts aus (u.a. Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen, Iannis Xenakis). 1962 schloss er mit der Pianistin Yvonne Loriod die Ehe, die viel zur Verbreitung der technisch schwierigen Stücke ihres Mannes beitrug. Seit 1950 verbrachte Messiaen die Sommerferien immer in Grenoble. Dort unternahm er ausgedehnte Exkursionen, um Vogelgesänge aufzuzeichnen. Er war in der Lage, ca. 700 Vogelrufe auseinanderzuhalten. Messiaen verstarb am 27. April 1992 in Paris.

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