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15.12.2017 : 15:04 : +0100
Glossar

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Maurice Ravel

(*Ciboure, 7. März 1875, † Paris, 28. Dezember 1937)

Am 7. März 1875 wird Maurice Ravel in Ciboure geboren, einem kleinen französischen Ort nahe der spanischen Grenze. Als Maurice drei Monate alt ist, zieht die Familie nach Paris. Seine Mutter, eine Spanierin, singt ihrem Sohn die Lieder ihrer Heimat vor. Verständlich, dass sich später in Ravels Werk immer wieder spanische Anklänge finden. Mit sieben Jahren bekommt der Junge den ersten Klavierunterricht. Maurice macht rasch Fortschritte, denn die Musik bereitet ihm weit mehr Spaß als die Schule. Dort wird er von den Lehrern als fauler Schüler bezeichnet.
Bereits als 12-Jähriger versucht sich der junge Ravel an eigenen Kompositionen. Zwei Jahre später wird er zusammen mit seinem spanischen Freund, Ricardo Vines, in das Pariser Konservatorium aufgenommen. Beide finden bald Gefallen an der exotischen Musik, wie sie nicht im Lehrplan der Musikakademie steht. Nach 16 Jahren Studium erhält Maurice den letzten musikalischen Schliff von dem französischen Komponisten Gabriel Fauré. Schnell findet der junge Ravel Anschluss an die Pariser Künstlerkreise, denn der nur 150 Zentimeter große, stets elegant gekleidete Komponist ist ein interessierter und gebildeter Mann. Hier lernt Ravel bedeutende Schriftsteller, Maler und Komponisten kennen. Am meisten beeindruckt ihn Claude Debussy, der wie er bestrebt ist, neue musikalische Wege zu gehen. Beide versuchen in ihren impressionistischen Kompositionen dem Hörer «flüchtige Eindrücke» (Impressionen) zu vermitteln.
Im Ersten Weltkrieg darf Ravel zu seinem großen Bedauern wegen seiner geringen Körpergröße «nur» als LKW-Fahrer hinter der Front teilnehmen. Als er 1917 an Ruhr erkrankt, wird er aus der Armee entlassen. Wenig später stirbt seine Mutter. Das stürzt ihn in eine tiefe Schwermut. 1928 unternimmt der Komponist eine Konzertreise in die USA, wo er die Musik der Schwarzen, den Jazz, kennenlernt. Im gleichen Jahr wird der «Boléro», sein musikalisches Meisterwerk, zu einem ungeheuren Publikumserfolg. Zwar ist Ravel jetzt berühmt und wohlhabend, aber er zieht sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Gelegentlich lädt er gute Freunde zu einem üppigen Feinschmeckeressen ein. Sonst lebt er allein in seiner kleinen, vornehmen Villa Belvedere, umgeben von tickenden Uhren, Spieldosen und mechanischem Spielzeug. Am liebsten aber sitzt er mit den geliebten Siamkatzen in seinem exotischen Garten. Aber aller Luxus, mit dem er sich umgibt, kann ihn nicht von dem quälenden Gefühl der Einsamkeit befreien.
Nach einem Autounfall, bei dem der 57-Jährige schwere Kopfverletzungen davonträgt, kommt es häufig zu Sprechstörungen und unkontrollierten Bewegungen. Eine Gehirnoperation, die Heilung bringen soll, misslingt.
Maurice Ravel stirbt 1937 im Alter von 62 Jahren.

Musikalisches Meisterwerk ohne Musik: der «Boléro»
Eine kurze, atemlose Stille herrschte an jenem Novemberabend im Jahre 1928 in der Pariser Opéra comique. Dann aber brach tosender Applaus los. Der Komponist blickte stolz von seiner Loge auf die tobende Menge hinunter, die aufgesprungen war und ihm stehend Beifall klatschte. Lächelnd wandte sich Ravel an seinen Bruder Eduard: «Wie ich's erwartet hatte. Ich wusste, mein ‹Boléro› würde sie von den Sitzen reißen.» Unten begann das Publikum zu tanzen. Plötzlich bemerkte der Komponist mitten in dem Tumult eine ältere Dame, die sich an ihrem Stuhl festklammerte und rief. «Hilfe, ein Spinner. Wer solche Musik schreibt, muss verrückt sein.» Ravel nickte zustimmend und murmelte: «Diese Frau ist die einzige, die mein Stück verstanden hat, denn der Boléro ist zwar ein Meisterwerk, aber er enthält keine Musik.»
Tatsächlich hatte der Komponist mit seinem «Boléro» nur zeigen wollen, dass man auch mit Musik zu malen vermag. Ravel wählt für sein Stück zwei spanische Volkslieder und lässt diese über einem Boléro-Rhythmus bei gleicher Tonart 17 Minuten lang wiederholen. Indem er aber die gleichen Themen jeweils von anderen Instrumenten spielen lässt, verändert sich ständig die Klangfarbe. Ravel verzaubert sein Publikum durch ein faszinierendes musikalisches Farbenspiel.
Dieses enthusiastische Stück löste eine regelrechte Boléro-Mode aus. Man trug Boléro-Kleider und speiste in Boléro-Restaurants. An allen Ecken war der eindringliche Rhythmus zu hören. Er ertönte aus Grammofonen, Radios und Musikautomaten. Hunderttausende von Exemplaren wurden gedruckt. Alle Welt sang und spielte Ravels Meisterwerk: Männerchöre, Jazzorchester, Blasmusik und Barpianisten. Der «Boléro» begann seinen unaufhaltsamen Siegeszug um die Welt.