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15.10.2019 : 21:39 : +0200

[Beisp 3 aus Haydns Symphonie Nrt. 100 G-Dur «Militär»]
[Beisp 4 aus Mozarts Symphonie Nr. 41 C-Dur «Jupiter»]
[Beisp 5 aus von Beethovens Symphonie Nr. 7 A-Dur]
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Glossar

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Blockweises Lesen

Diese Methode bietet sich in der Militär-Symphonie von Haydn an (Beispiel 3). In den T. 260-264 sind die Stimmen weitgehend parallel geführt, so dass man sie gut im Ganzen überblicken kann. In den Streichern haben wir einen homophonen Satz (d.h. alle Stimmen spielen den gleichen Rhythmus), der in den unteren Stimmen aus Tonwiederholungen besteht, während die erste Violine etwas bewegter ist. Gleichzeitig erklingen in den Bläserstimmen Liegetöne (d.h. lang ausgehaltene Töne), die als harmonischer Füllstoff dienen. Sie können bei Bedarf auch im Block gelesen werden.

Oft bestehen solche blockhaften Gebilde auch aus unisono-Figuren (= alle Stimmen spielen dasselbe), wie z.B. am Beginn der Jupiter-Symphonie von Mozart (Beispiel 4). Hier kann man sich beim Lesen zunächst nur auf den Streicherblock beschränken, der in den T. 3-4 alleine Die Melodie weiterführt und bereits alle wichtigen Informationen enthält.

Selektives Lesen

Bei dieser Methode orientiert man sich anhand ausgewählter Stimmen (führende Stimmen, auffällige Stellen) in der Partitur. Im Ausschnitt aus Beethovens 7. Symphonie (Beispiel 5) ist hierzu das Sechzehntelmotiv geeignet, das zweimal von den Celli und Bässen ausgehend durch die Streicherstimmen wandert. Die Liegetöne der Bläser, die in den T. 358-363 sogar nur aus dem Ton e in unterschiedlichen Oktavlagen bestehen, bilden die harmonische Grundierung und spielen beim Lesen der Partitur eine untergeordnete Rolle. Man nimmt sie kurz wahr, verfolgt jedoch die Streicher und dort insbesondere das auffällige Sechzehntelmotiv in seiner Wanderung durch die einzelnen Stimmen.

Bei beiden Leseformen, zwischen denen man übrigens je nach Beschaffenheit der Stelle wechseln sollte, kommt es am Anfang nicht darauf an, sofort alle Töne und Harmonien verfolgen zu können. Viel wichtiger ist es, Bewegungsabläufe zu erkennen und nachzuvollziehen. Alles Weitere kommt mit der Erfahrung.