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21.9.2019 : 19:20 : +0200

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Ausschnitt aus «Jupitersymphonie»
1. Satz, Allegro vivace, Takt 1-120]

Capella Istropolitana, Barry Wordswoth (Conductor)
Zur Verfügung gestellt von der NAXOS Music Library.

Glossar

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W.A. Mozart: Symphonie No. 41 C-Dur

«Jupitersymphonie», KV 551

Am 16. August 1788 hatte Mozart die Sinfonie in C-Dur, KV 551 («Jupiter-Sinfonie»), beendet. Ihre Eintragung in das chronologisch angelegte «Verzeichnüß aller meiner Werke», das er von Februar 1784 bis November 1791 führte, erfolgte unmittelbar auf die der g-Moll- Sinfonie, KV 550, die am 25. Juli in das Verzeichnis aufgenommen worden war. Nur wenige Wochen zuvor, nämlich am 26. Juni, war die Sinfonie in Es-Dur, KV 543, erschienen. Innerhalb von kaum mehr als 6 Wochen hatte Mozart somit drei Sinfonien komponiert, die zusammen mit der «Prager» Sinfonie vom Dezember 1786 beweisen, welch großartigen Beitrag Mozart zu dieser Musikgattung geleistet hat.

Wir wissen nicht, zu welchem Anlass Mozart jeweils seine letzten drei Sinfonien komponierte. Möglicherweise waren sie für eine für Sommer 1788 in Wien geplante Konzertreihe gedacht. Diese Pläne zerschlugen sich jedoch und so kam es, dass Mozart von diesem Zeitpunkt an in Wien keine öffentlichen Konzerte mehr gab. Dabei entsprach es durchaus nicht seiner Art, gleich drei Werke einer solchen Dimension zu komponieren, ohne dass Aussicht auf eine Aufführung bestanden hätte. Und mussten sich die Pläne für eine sich unmittelbar anschließende Aufführung aufgegeben werden, so ist doch anzunehmen, dass es zu einem späteren Zeitpunkt noch dazu kam. Eine solche Gelegenheit bot sich vielleicht bei Mozarts Reise durch Deutschland, die er im April/Mai 1789 mit seinem Freund Karl Lichnowsky unternahm. Durchaus möglich ist auch, dass eine bzw. zwei seiner letzten drei Sinfonien – zumindest aber einige Sätze hieraus – bei einem Mozart-Konzert am 12. Mai 1789 in Leipzig gespielt wurden, oder aber dass die «Jupiter-Sinfonie» zu den zwei Sinfonien gehörte, die für ein Konzert am 15. Oktober anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten für Leopold II., zu denen Mozart nach Frankfurt gekommen war, vorgesehen waren. Das Programm erwies sich jedoch als für diesen Anlass zu lang und folglich wurde lediglich eine Mozart-Sinfonie, noch dazu eine seiner frühen Kompositionen, aufgeführt. Denkbar ist auch, dass es sich bei der «Großen Sinfonie von der Erfindung des Herrn Mozart», die Teil eines Programms der «Großen Musikakademie» war, die am 16. April 1791 in Wien stattfanden und einen Tag später, am 17. April, von der «Tonkünstler-Sozietät» erneut angeboten wurde, um die «Jupiter-Sinfonie» gehandelt hat. Bedenkt man jedoch, dass zu den damaligen Orchestermitgliedern auch Mozarts Freund, der Klarinettist Anton Stadler, sowie dessen Bruder Johann zählten, so ist wohl eher davon auszugehen, dass die „Klarinettenfassung“ der Sinfonie in g-Moll oder aber auch die Sinfonie in Es-Dur, KV 543, die ebenfalls mit Klarinetten besetzt ist, vorgetragen wurden.

Worin der Titel «Jupiter-Sinfonie», unter dem das Werk inzwischen allgemein bekannt ist, letztendlich seinen Ursprung hat, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Bei ihrem Besuch in Salzburg im Jahre 1829 erzählte Mozarts Sohn Franz Xaver dem Ehepaar Vincent und Mary Novello, dass der 1815 verstorbene Violinist und Konzertmeister Salomon, auf dessen Einladung auch Haydns Londoner Aufenthalte zurückzuführen sind, den Titel zuerst gebraucht habe. Ganz sicher aber war der Beiname «Jupiter» bereits in den Anfangsjahren des 19. Jahrhunderts in London bekannt, denn zum einen erscheint er auf dem Programm eines Konzertes der Philharmonic Society im März 1821, zum anderen benutzte Clementi den Titel für die Veröffentlichung seiner Bearbeitung des Werkes für Pianoforte with accompaniments for a Flute, Violin and Violoncello. Der Druck auf der Titelseite zeigte das prächtige Abbild eines inmitten von Sturmwolken thronenden Gottes. Für Tovey war der Titel «Jupiter», zusammen mit der in England für das 5. Klavierkonzert von Beethoven geläufigen Bezeichnung «Emperor» und dem Titel «Mondscheinsonate», «eine der albernsten Beleidigungen, die ein großes Kunstwerk jemals erfahren hatte». Zugegeben, ein so umfassendes Werk enthält natürlich vieles, auf das sich der Begriff «Jupiter» – Würde, Erhabenheit und Triumph suggerierend – nicht ohne weiteres anwenden lässt; was jedoch diesen Titel nicht völlig fehl am Platz erscheinen lässt, ist der Charakter des musikalischen Materials gerade im Finale und in noch stärkerem Maße die heroische Art und Weise, auf die sich das Werk von der tragisch anmutenden Intensität der Gefühle der nur kaum 3 Wochen zuvor geschriebenen g-Moll-Sinfonie abwendet.

Ronald Woodham
Übersetzung: Gabriele Vogt