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17.11.2019 : 6:11 : +0100

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«Brandenburgisches Konzert» No. 2,
1. Satz, Takt 1-59]

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«Brandenburgisches Konzert» No. 2,
2. Satz (Andante)]

Kölner Kammerorchester, Helmut Müller-Brühl (Conductor), Jürgen Schuster (Trompete), Nadja Schubert (Blockflöte), Christian Hummel (Oboe), Winfried Rademacher (Violine)
Zur Verfügung gestellt von der NAXOS Music Library.

Glossar

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J.S.Bach: Brandenburgische Konzerte

No. 2, BWV 1047

Vom August 1717 bis zum April 1723 war Johann Sebastian Bach am Hofe des Fürsten Leopold von Anhalt-Cöthen als Kapellmeister und Direktor der Fürstlichen Kammermusiken tätig. Über diese Anstellung in Köthen äußerte Bach sich rückblickend in einem Brief an seinen langjährigen Freund Georg Erdmann aus dem Jahre 1730, aus dem zu entnehmen ist, dass für Bach offenbar die gut dotierte Kapellmeisterstelle mit einem gewissen Ansehen verknüpft war und er es daher als Rückstufung empfand, sich um ein Kantorenamt bemühen zu müssen. Andererseits deuten Bachs Äußerungen darauf hin, dass die Arbeitsbedingungen in Köthen durch die bevorstehende Heirat Leopolds mit Friederica Henrietta von Bernburg, die Ende des Jahres 1721 erfolgte, zunehmend problematisch wurden, und tatsächlich hatte Bach sich bereits im November 1720 mit seiner – allerdings erfolglosen – Bewerbung um die vakante Kantorenstelle an St. Jakobi in Hamburg beruflich zu verändern versucht.

In diesem Zusammenhang erhält Bachs Übersendung von ausgesuchten Konzerten nach Berlin an den Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg, den jüngsten Sohn des Großen Kurfürsten, in einem von der Hand des Komponisten selbst in kalligraphischer Reinschrift verfertigten Widmungsautograph besondere Bedeutung. Den Obliegenheiten seiner weltlichen Anstellung gemäß komponierte Bach in der Köthener Zeit fast ausschließlich Klavierwerke, Kammermusik und Instrumentalkonzerte. Wenn er also einem ebenfalls weltlichen Herrn einige seiner Werke widmete, so ist es naheliegend, dass er sie aus diesem Repertoire auswählte. Im Widmungstext vom 24. März 1721 an den Markgraf (in französischer Sprache) bezieht sich Bach zudem auf einen konkreten Anlass für die Dedikation dieser Six Concerts avec plusieurs instruments, die nach ihrem Widmungsträger die heute geläufige Bezeichnung «Brandenburgische Konzerte» tragen: «Vor ein paar Jahren hatte ich das Glück, mich vor Ihrer Königlichen Hoheit hören zu lassen […]. Eure Königliche Hoheit beliebte mich mit dem Auftrag zu ehren, Ihr einige meiner Kompositionen zu senden.»

Wohl mag der Markgraf anlässlich dieses Vorspiels den Wunsch geäußert haben, von Bach weitere Kompositionen zu hören. Der Umstand jedoch, dass Bach erst nach zwei Jahren plötzlich mit der Dedikation dieser sechs Konzerte dem Wunsch des Markgrafen nachkam, deutet viel eher auf eine versteckte Bewerbung als wahren Grund für die Übersendung der Partitur hin.

Die Partitur spiegelt mit ihren sechs Werken die gesamte Palette damals gängiger Typen konzertanter Ensemblemusik: Das 3. und 6. Konzert prägen am ehesten den Charakter von Gemeinschaftsspielmusiken aus, das 2. und 4. mehr den Concerto-grosso-Typus und die Konzerte 1 und 5 dokumentieren in ihrer endgültigen Form im Autograph die Hinwendung zum Solokonzert.

Obwohl Bach mit der Widmungspartitur die Darstellung eines repräsentativen Querschnittes durch sein Konzertschaffen gibt, wäre es verfehlt, von einem Zyklus zu sprechen: Es handelt sich lediglich um eine Sammlung präexistenter und als Einzelwerke komponierter Konzerte.

Mit der Besetzung des hier vorgestellten Konzertes No. 2 führte Bach eine zur damaligen Zeit völlig unbekannte Kopplung von Holzbläsern (Oboe, Blockflöte) mit Trompete und Violine ein. Die Klangmöglichkeiten dieses ungewöhnlichen Solistenquartetts bestimmen denn auch das Wechselspiel von Tutti- und Soloabschnitten: Bereits aus dem Partiturbild ist zu ersehen, dass hier eine Gruppe von vier Solisten die Sätze entscheidend prägt; Die Trompete in ihrer hohen Clarin-Lage und die dieser Höhe angepassten übrigen Soloinstrumente heben zusätzlich durch ihre hohe Klangfarbe die Soloteile von den Tuttiteilen ab.

Karin Stöckl