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15.11.2019 : 21:32 : +0100

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«Má Vlast», No. 2:
Vltava – Die Moldau, 1. Satz, Takt 1-79]

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«Má Vlast», No. 2:
Vltava – Die Moldau, Venkovská Svatba – Ländliche Hochzeit, Takt 118-172]

Polish National Radio Symphonic Orchestra, Antoni Wit (Conductor)
Zur Verfügung gestellt von der NAXOS Music Library.

Glossar

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Smetana: Má Vlast

No. 2: Vltava – Die Moldau

Nur wenige der bekanntesten Sinfonischen Dichtungen sprechen mit solch einer poetischen Klarheit und anschaulichen Genauigkeit, wie es bei Smetanas Moldau der Fall ist. Die Entstehung des Werkes wird auf einen Ausflug zum Zusammenfluss der beiden Quellen der Moldau zurückgeführt, den Smetana am 28. August 1867 unternommen hatte und bei dem der Komponist das jahreszeitlich geprägte Erscheinungsbild des Flusses mit den Augen eines impressionistischen Malers wahrgenommen hatte. Das Werk drückt eine gesellschaftliche Verpflichtung aus, die Smetana seinem Land gegenüber empfand, ist zugleich aber auch eine persönliche Geste angesichts der tragischen Umstände. Fast zur gleichen Zeit, als er mit der Konzeption des Werkes begonnen hatte – im Laufe des Jahres 1874 – zeigten sich die ihn schwächenden Symptome der Syphilis in Form von dauerhafter und mit heftigem Ohrensausen einhergehender Taubheit. Dies ließ jede Hoffnung Smetanas schwinden, jemals wieder Musik hören zu können.

Trotz allem, und vielleicht mit einer Beethovenschen Rebellion als eine Art Vergeltung für seine plötzliche Taubheit, begann Smetana die Arbeit an seiner Serie Sinfonischer Dichtungen, von denen Die Moldau die zweite ist. Er gab der Serie schließlich den einfachen, aber ausdrucksvollen Titel «Mein Vaterland». Auch wenn die einzelnen Teile oft separat aufgeführt werden – vor allem der vorliegende –, hatte Smetana sie eigentlich als ein einziges mehrsätziges Werk vorgesehen. Der Zyklus kann de facto als eine programmatische Sinfonie bezeichnet werden. Ursprünglich als ein viersätziger Zyklus mit dem Titel Vlast («Vaterland») geplant, hätte das Werk noch besser zu dieser Konzeption gepasst.

Die «Vltava» oder Moldau ist mit ihrer symbolischen Bedeutung hinsichtlich einer nationalen und kulturellen Ideologie ein wesentlicher Bestandteil des böhmischen Bewusstseins. Geografisch betrachtet ist die Moldau der längste Fluss der heutigen Tschechischen Republik. Sie ist rund 440 Kilometer lang, fließt zum größten Teil durch dieses Land und mündet schließlich in die Elbe.

David Lewiston Sharpe
Übersetzung: Uta Pastowski