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22.4.2019 : 6:07 : +0200

Enharmonik in Klangverbindungen

Enharmonische Notation bildet mit den Tonhöhen auch die Funktion der Töne im jeweiligen musikalischen Kontext ab: Sie folgt dem Richtungsstreben der Klänge.

In der Dur-Moll-tonalen Harmonik lässt sich das eindrücklich am Beispiel des Tritonus nachvollziehen.

Der Tritonus ist Teil des Dominantseptakkordes. Er setzt sich zusammen aus dem Leitton (Terzton der Dominante) und der Dissonanz (Septime), also den beiden Tönen, die dem Akkord den dominantischen Charakter verleihen. In der Terzschichtung eines Dominantseptakkordes stehen Leitton und Septime im Abstand einer verminderten Quinte:

[1.8.8. Klicken Sie auf das Notenbild, um es zu hören.]

Das Komplementärintervall bzw. die Umkehrung der verminderten Quinte ist die übermäßige Quarte. In ihr liegt der Leitton über dem Septimton:

Bildet man nun eine übermäßige Quarte und eine verminderte Quinte auf dem gleichen Ton, z. B. die übermäßige Quarte c1 - fis1 und die verminderte Quinte c1 - ges1, so klingen beide Intervalle gleich. Ihr Richtungsstreben ist jedoch gegensätzlich, denn nach den Stimmführungsregeln der Dur-Moll-tonalen Harmonik wird der Leitton chromatisch aufwärts und der Septimton im Sekundschritt abwärts geführt. Deshalb führen Leitton und Septimton die übermäßige Quarte c1 - fis1 nach G-Dur und die verminderte Quinte c1 - ges1 nach Des-Dur.

[1.8.9. Klicken Sie auf die Akkordfolgen, um sie zu hören.]

Dieses Beispiel verdeutlicht, welche Auswirkung eine enharmonische Umdeutung haben kann: Der für sich nicht hörbare Unterschied von c-fis und c-ges erzwingt in der Folge die Fortschreitung in zwei Tonarten, die weiter nicht voneinander entfernt liegen könnten.

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