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16.11.2019 : 22:37 : +0100

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«Konzert für Violoncello und Orchester
in e-moll, op. 85, 4. Satz, Takt 1-60]

Royal Philharmonic Orchestra, Micael Halász (Conductor)
Maria Kliegel, Violoncello

Zur Verfügung gestellt von der NAXOS Music Library.

Glossar

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Elgar: Konzert für Violoncello und Orchester

op. 85 in e-Moll

Es gibt zwei vollendete Instrumentalkonzerte von Elgar: eines für Violine (1910) und eines für Violoncello (1919).

Die Uraufführung des Cellokonzerts fand am 27. Oktober in der Londoner Queen’s Hall statt, und zwar im Rahmen des Eröffnungskonzerts des London Symphony Orchestra in der ersten Nachkriegsspielzeit. Elgar blieb es vorbehalten, sein Werk zu dirigieren. Das Restprogramm dirigierte Albert Coates (1882–1953), der nach achtjährigem Aufenthalt in Russland soeben zurückgekehrt war und seine erste Saison mit dem London Symphony Orchestra vor sich hatte. Er nahm das berauschende und anspruchsvolle Poème de l’extase des vor kurzem verstorbenen Aleksandr Skrjabin (1872–1915) ins Programm auf und – offenbar im Bestreben, seine Ernennung zu rechtfertigen – überzog bei beiden Proben.

Elgar und Salmond waren gezwungen abzuwarten und gerieten somit in Zeitnot. Wie Elgars Frau zu berichten wusste, war die Aufführung infolgedessen mittelmäßig und Ernest Newman schrieb über das Orchester, es wäre ziemlich durcheinander gewesen. In Anbetracht solcher Umstände hat der Kammermusiker Salmond seinen Part vermutlich unkonzentriert gespielt.

Wie dem auch sei: Das Konzert kann man ohne weiteres Elgars Kammermusik zuordnen, nicht allein von der Schaffensperiode her, sondern in gewisser Hinsicht auch von der Grundhaltung her betrachtet. Obwohl die Besetzung des Orchesters der des Violinkonzerts gleicht, ist es dennoch sparsamer eingesetzt. Die vier Sätze sind knapp gehalten, keiner von ihnen bewegt sich uneingeschränkt im Rahmen der traditionellen Sonatenhauptsatzform, doch der zweite Satz lehnt sich wie kaum ein anderer Konzertsatz an das sinfonische Scherzo an.

Die erste, gekürzte Schallplattenaufnahme des Konzerts wurde im Dezember 1919 mit Beatrice Harrison als Solistin und Elgar als Dirigent eingespielt. Dieselben Interpreten fanden 1928 zu einer Gesamtaufnahme zusammen, in der man im zweiten Satz, 5 und 6 Takte nach Ziffer 22, ein nicht vorgeschriebenes largamente hört, wohl in Angleichung an die vorangegangene so bezeichnete Phrase. Unter weiteren bemerkenswerten Interpreten dieses Konzerts finden sich Namen wie Casals, Pini, Tortelier, Fournier und du Pré sowie eine Vielzahl von Cellisten der jüngeren Generation. Die Partitur wurde 1921 erstmals von Novello and Company veröffentlicht; das Autograph ist im Royal College of Music aufbewahrt.

Diana McVeagh
Übersetzung: Norbert Henning