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17.11.2019 : 6:30 : +0100

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Symphonie Nr. 4 «Italienische»
in A-Dur, op. 90, 1. Satz, Takt 1-140]

National Symphonic Orchestra of Ireland, Reinhard Seifried (Conductor)
Zur Verfügung gestellt von der NAXOS Music Library.

Glossar

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Mendelssohn: Symphonie Nr. 4

op. 90 in A-Dur «Italienische»

Felix Mendelssohn Bartholdy beginnt im Herbst 1830 eine musikalische Bildungsreise nach Italien, um bedeutende Künstler, Kunstwerke und Kunstinstitutionen kennen zu lernen. Doch wie viele andere Musiker seiner Generation ist er von der damaligen Musikkultur Italiens tief enttäuscht. Mendelssohn findet dagegen außerhalb der Konzertsäle Inspiration.

Am 22. November 1830 schrieb er aus Rom an seinen ehemaligen Lehrer Carl Friedrich Zelter: «Auch verdanke ich dem, was nicht die eigentliche, unmittelbare Musik ist: den Ruinen, den Bildern der Heiterkeit der Natur, am meisten der Musik.» Der erste noch vage Hinweis auf die Italienische Sinfonie findet sich in einem Brief aus Rom an seine Familie vom 20. Dezember 1830: «Nach Neujahr will ich mich wieder an die Instrumentalmusik machen, mehreres für’s Clavier und vielleicht noch eine oder die andere Symphonie; denn mir spuken zwei im Kopfe herum» Eine der beiden Sinfonien, an welche Mendelssohn hier denkt, ist die erst 1842 vollendete Schottische, die andere ist die Italienische.

Die Uraufführung der Italienischen Sinfonie findet im sechsten Montags-Konzert der Saison am 13. Mai 1833 in den Hanover Square Rooms in London statt. Mendelssohn tritt in diesem Konzert auch als Pianist mit dem d-Moll Klavierkonzert von Mozart auf. Des Weiteren stehen Werke von Haydn, Pixis, Rossini, De Beriot, Meyerbeer und von Weber auf dem Programm. Der Tageszettel des Konzerts gibt eine Doppeldirektion an: der «leader» des Orchesters ist der Konzertmeister Charles Weichsell, Mendelssohn der «conductor». Entsprechend der zu dieser Zeit üblichen Aufführungspraxis der Philharmonic Society war es die Aufgabe des «conductor», das Orchester vom Klavier aus zu begleiten und die Einsätze für den Beginn der Sätze zu geben, während der «leader» Takt und Tempo anzeigte. Das Übergewicht der Dirigiertätigkeit lag somit bei dem «leader» des Orchesters. Dies entsprach jedoch nicht den Intentionen Mendelssohns, der sich über die Gepflogenheit hinwegsetzte und das Orchester an diesem Tag alleine mit dem Taktstock dirigierte.

Die Aufführung war ein großer Erfolg, wie die Kritiken in den Londoner Musikzeitungen Harmonicon und The Atheneum belegen. Der zweite Satz musste auf Wunsch des Publikums wiederholt werden. Mendelssohns Freund, der Pianist Ignaz Moscheles, schrieb zu diesem Abend in sein Tagebuch: «Am 13. Mai war Mendelssohn der Juwel des Concerts, indem er seine herrliche A-Dur-Symphonie zum ersten Mal mit dem rauschendsten Beifall gab»

Boris von Haken