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18.11.2019 : 12:24 : +0100

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Ausschnitt aus der Symphonie Nr. 9 in d-moll
4. Satz, Takte 851-940]

Nicolaus Esterházy Chorus and Sinfonia, Béla Drahos (Conductor)
Hasmik Papian, Sopran; Ruxandra Donose, Mezzo; Manfred Fink, Tenor; Claudio Otelli, Bass-Bariton
Zur Verfügung gestellt von der NAXOS Music Library.

Glossar

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van Beethoven: Symphonie Nr. 9

op. 125, Sinfonie mit Schlusschor über Schillers «Ode An die Freude»

Beethovens Abscheu vor Tyrannei und seine Freiheitsliebe führten in der Zeit, in der er lebte und in der diese Werte – wie so oft in der Geschichte der Menschheit – in einen tiefgreifenden und scheinbar unlösbaren Konflikt verstrickt waren, unweigerlich dazu, sich diesen gegensätzlichen Kräften direkt aussetzen zu müssen. Wie sein Zeitgenosse William Blake es unverblümt ausdrückte: «Ein Gesetz für den Löwen und den Ochsen ist Unterdrückung.» Beide Künstler waren unerbittliche Gegner dieses Gesetzes.

Die neunte Sinfonie kann vielleicht am besten als Beethovens vollkommenster Ausdruck dieses Konflikts verstanden werden, insofern dieser musikalisch überhaupt artikulierbar ist. Von ihrem vagen, fast chaotischen Anfang, in dem der Klang an sich eine Ahnung bevorstehender und fataler Handlung kreiert, bis hin zu den gloriosen Triumphen des choralen Finales zeigt der Komponist, wie auf einem grandiosen Fresko, in allen erdenklichen Vorstellungsdimensionen die Breite und Stärke der freiheitlichen Prinzipien – die Macht der Opposition gegen ihre Verwirklichung und letztlich die Hoffnung auf einen Sieg des Lichts über die Finsternis.

In dieser Beziehung repräsentiert Beethovens neunte Sinfonie einen Höhepunkt in der Musikgeschichte der westlichen Welt. Zum ersten Mal wird eine fundamentale Aussage über die Natur der menschlichen Existenz in Musik ausgedrückt, die ebenso großartig ist wie das Konzept, das sie vertritt. Seit der ersten Aufführung 1824 war kein Publikum je im Zweifel über die Wirklichkeit, die hier gefeiert wird, und die weiterhin mit unverminderter Macht auf uns einwirkt: die Realität der aus einem Konflikt entspringenden, transzendenten Hoffnung, die eine gewisse Rechtfertigung des Stolzes auf unsere gemeinsame Humanität erneuern soll.

Justin Connoly
Übersetzung: Burgi Hartmann