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22.7.2019 : 5:23 : +0200

short music story

Musiker im Exil

Glossar

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Ernst Krenek

Geboren am 23. August 1900 in Wien, gestorben am 22. Dezember 1991 in Palm Springs, Kalifornien; österreichischer Komponist.
Krenek war erst Schüler von Fr. Schreker in Wien und Berlin. 1925-1927 war er  künstlerischer Beirat am Staatstheater Kassel, lebte 1928-1937 in Wien und siedelte dann in die USA über. Er hatte 1939-1942 eine Professur am Vassar College in Poughkeepsie (N.Y.) und dann 1942-1947 an der Hamline University in St. Paul (Minn.) inne. Krenek war seit 1945 amerikanischer Staatsbürger und lebte seit 1966 in Palm Springs (Calif.). Er versuchte sich in den verschiedensten Stilen von der Romantik bis zum Konstruktivismus, vom tonalen Lied bis zu Jazz und Zwölftontechnik. Einen Welterfolg erzielte die Jazzoper «Jonny spielt auf» (Lpz. 1927), die in kurzer Zeit über mehr als hundert Bühnen ging und Anlaß zu heftigen Auseinandersetzungen gab. Es folgte eine Phase «altväterlicher Romantik», die in dem an Schubert angelehnten Liederzyklus Reisetagebuch aus den österreichischen Alpen (1929) gipfelt. Etwa ab 1930 datieren die ersten Versuche in Zwölftontechnik, die Krenek seit 1938 ständig verwendete, bereichert um Erkenntnisse, die er aus der Analyse spätmittelalterlicher Werke gewann.
Die Übereinstimmung von musikalischem Gedanken und intellektueller Analyse blieb für Kreneks Schaffen typisch. Sie hatte bei seinem zwölftönigen Erstling, dem Bühnenwerk mit Musik «Karl V.», auch noch eine politische Komponente, die schon 1934 in Österreich nicht genehm war und Krenek 1938 ins Exil in die USA führte. Als ihn in den 50er Jahren der Kontakt mit der jungen europäischen Avantgarde ermutigte, sich mit elektronischer Musik, mit der seriellen Durchorganisation des musikalischen Materials sowie ihrem Widerpart, der Zufallsoperation, zu befassen, so tat er dies nicht nur, weil ihn einzelne Werke dieser Art faszinierten, sondern auch wieder, weil er den neuen Möglichkeiten gedanklich ebenso wie künstlerisch auf den Grund gehen wollte.
Allerdings hatte er bereits Anfang der 40er-Jahre in den USA z.B. in der 3. Klaviersonate und dem großen a-cappella-Werk «Lamentatio Jeremiae Prophetae» mit Reihenrotation experimentiert. Dieses Interesse an historischer Einbindung war bezeichnenderweise ausgerechnet in den ersten Jahren des Exils erwacht, als Krenek mit dem Verlust Europas auch den der Geschichte befürchtete. Es spielte wieder eine unüberhörbare Rolle in seinem Spätwerk.