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24.2.2019 : 3:57 : +0100

Elektronische und instrumentale Version von «Music for fives stringed instruments» (Hörraum)

Stundenplanung
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Möglichst viele und unterschiedliche Farben, Pinsel, Zeitungen, Wassergläser

Papier zum Malen in verschiedenen Formaten, für jeden Schüler mindestens fünf Blätter

Magneten, um einige Bilder an der Tafel zu befestigen

Tischgruppen

Klassensatz Blockflöten, Klangstäbe, Kazoos, Mundharmonikas o.ä. (Vertiefungsstunde)

Annäherung an die Komposition I: Malen zur Musik von Jay Schwartz (Stunden 3 und 4)

Kurzportrait

Es erklingt die elektronische Version von «Music for fives stringed instruments» und die Schüler malen dazu intuitiv Bilder. In einer anschließenden «Vernissage» werden die Bilder ausgestellt und besprochen. Davon ausgehend erschließen sich die Schüler die Merkmale der Musik von Jay Schwartz.

Gedanken zum Thema der Stunde

Es war eine der spannendsten Unterrichtsstunden meines Schullebens, als der Kunstlehrer Freejazz auflegte und uns pubertierende Schüler zum «freien» Malen anregte und so in kleine Pollocks verwandelte: Wir sollten nicht nachdenken, sondern einfach loslegen. Ich erinnere auch noch genau, wie der Kunstlehrer uns die hochgradig abstrakten Blätter modernster Kunst förmlich unter den Händen wegriss und im Kunstraum und – als der Platz dort nicht mehr ausreichte – auf dem Gang verteilte.

Mehrfach habe ich diese Methode im Musikunterricht angewendet, die sich als erster Zugang zu zeitgenössischer Musik besonders anbietet: die Schüler bewerten nicht die Musik, sondern lassen sich von ihr gestalterisch anregen, haben großen Spaß und können sich so einer Musik öffnen, die einige von ihnen vorschnell ablehnen würden.

Vorschlag zur Stundengestaltung

Planen Sie hier einige Zeit zur Vorbereitung des Raumes ein, bei der Sie durchaus die Schüler einbeziehen können. Lassen Sie Tischgruppen bilden, darauf Zeitungen ausbreiten und stellen ausreichend Pinsel und Farben zur Verfügung. Wenn jeder Schüler ein Blatt vor sich hat, erklären Sie in aller Ruhe die Aufgabenstellung: «Ihr hört jetzt die elektronische Version der Komposition Music for five stringed instruments von Jay Schwartz. Diese Musik soll euch zum Malen anregen. Ihr sollt unmittelbar und intuitiv auf die Musik reagieren und diese in Farbe umsetzen. Wir hören die Komposition zweimal. Beim ersten Mal sollt ihr viele Blätter bemalen. Also nicht zu lange nachdenken, sondern unmittelbar auf die Musik reagieren. Wenn wir dann die Komposition nach einer kurzen Pause ein zweites mal hören, sollt ihr nur ein großes Blatt gestalten. Jetzt aber erst mal der erste Durchlauf...»

Die elektronische Version dauert 8 Minuten 36 Sekunden, Zeit genug also, dass sich eine gewisse Eigendynamik entwickelt. Achten Sie darauf, dass sich die Schüler nicht in Details verlieren, teilen Sie neue Blätter aus, loben sie die Schüler und legen Sie die größtenteils abstrakten Gemälde im Raum aus. Vor dem zweiten Durchlauf teilen sie den Schülern noch einmal mit, dass sie nur ein Blatt bemalen sollen und dabei auf ihre soeben gesammelten Erfahrungen zurückgreifen können.

Lassen Sie die Schüler nach dem zweiten Durchlauf frei durch den Raum laufen und sich ihre Bilder gegenseitig vorstellen. Sie können besonders gelungene Versionen mit Magneten an die Tafel heften. Fragen Sie nach, warum die Schüler ihre Arbeiten so und nicht anders gestaltet haben, ob sie beim zweiten Hören besser mit der Aufgabenstellung zurecht gekommen sind.

Im Anschluss an dieses offene Gespräch und dem Aufräumen des Raumes ist es für die Schüler ein Leichtes, ausgehend von den Bildern, die Merkmale der Musik von Jay Schwartz zu formulieren, die im Musikhefter mitgeschrieben werden:

  • viele Glissandi
  • wenige, oft sehr tiefe Töne
  • dramatische Steigerung am Schluss
  • düstere Stimmung
  • keine klar strukturierte Rhythmik
  • Überlagerung von vielen Stimmen, die zu einer Klangfläche verschwimmen

Abschluss

Teilen Sie den Schülern mit, dass es von dem gehörten Stück auch eine instrumentale Version gibt: Anfänglich hat der Komponist die instrumental eingespielten Klänge mit dem Computer nachbearbeitet und erst später entdeckt, welchen Reiz das Werk ohne Verzerrung hat. (Die elektronische Version umfasst nicht die ganze Komposition von knapp 18 Minuten, sondern nur die letzten 8 Minuten 36 Sekunden).

Fordern sie beim Hören der letzten 8 Minuten aus der Instrumentalversion maximale Konzentration. Nachdem die Schüler aus der musikalischen Welt des Jay Schwartz aufgetaucht sind, fragen Sie, welche der beiden Versionen ihnen besser gefallen hat. Vermutlich wird sich die Klasse nicht auf eine Version einigen können – aber das muss sie ja zum Glück auch nicht.

Vertiefung (mindestens eine weitere Stunde)

In der folgenden Stunde können die Bilder wieder in Musik «rückübersetzt» werden. Wählen Sie Bilder aus, die Ihnen als Improvisationsvorlage geeignet erscheinen. Es bietet sich an, die Bilder von links nach rechts zu lesen und den zeitlichen Verlauf mit dem Zeigefinger am unteren Bildrand anzuzeigen.

Verteilen Sie die Instrumente, die im Klassensatz vorhanden sind. Besonders geeignet sind Kazoos, die es in der Plastikversion auch für wenig Geld gibt. Geben Sie anfangs Hilfestellung und machen konkrete Vorschläge: «Diese Gruppe übernimmt nun den dicken Strich und jene die Punkte dort oben in der Ecke…» Teilweise genügt es aber auch, lediglich einzuzählen. Diskutieren Sie nach den musikalischen Experimenten das klangliche Ergebnis, wiederholen und verbessern Sie es. Haben die Schüler das Prinzip verstanden, können sie Gruppen bilden, die sich ein Bild als Improvisationsvorlage vornehmen. Nach 10 bis 15 Minuten Gruppenarbeit werden die Ergebnisse vorgestellt.

Der Bogen zur Musik von Jay Schwartz spannt sich, wenn man abschließend fragt, was diese von den musikalischen Experimenten unterscheidet. Eine Schülerin meinte berechtigterweise: «Bei Jay entwickeln sich die Dinge viel langsamer

 

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