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25.4.2019 : 6:05 : +0200

serielle Rhythmik

In der seriellen Musik ab ca. 1950 folgt der Rhythmus den Gesetzmäßigkeiten der Reihentechnik und löst sich damit vollkommen von der metrischen Ordnung. Die Notation erfolgt zwar zumeist weiterhin in Takten, diese erfüllen aber lediglich als Lesehilfen eine organisierende Aufgabe und sind keine Akzentstufentakte mehr.

[1.9.7. aus Olivier MESSIAEN, Mode de valeurs et d'intensités (Stephanie McCallum) | mit freundlicher Genehmigung von NAXOS]

Zeitgleich, aber unabhängig von den Serialisten, schufen auch die Komponisten der New York School um John Cage in ihren experimentellen Musikstücken metrisch ungebundene Rhythmen. So entgegengesetzt das experimentelle, teilweise mit Zufallsoperationen agierende Komponieren der New York School und das in höchstem Maß determinierte Reihenprinzip der Serialisten auch scheinen mögen: In beiden Stilen werden sämtliche Klangeigenschaften wie Rhythmus, Tonhöhe, Tondauer, Artikulation, Dynamik und Klangfarbe voneinander vollkommen losgelöst behandelt. Jegliche Funktionalität, d.h. Bezogenheit, die die Dur-Moll-tonale Musik ganz essentiell prägt, wird absichtlich vermieden zugunsten des «reinen» Klang-Erlebnisses, der «l‘art pour l‘art». Diese Emanzipation der Klangeigenschaften prägte das Klangbild der Neuen Musik (Neue Musik) in den 1950er und 1960er Jahren und veränderte das ästhetische Bewusstsein vieler Komponisten grundlegend – sei es, die neuen Möglichkeiten aufgreifend und weiterentwickelnd oder sich wiederum bewusst absetzend.

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