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19.2.2019 : 9:56 : +0100

Orm Finnendahl – «Versatzstücke» für Klavier und Zuspielband

Im Unterricht

Das Großartige an der Musik von Haydn und Beethoven, erklärt Orm Finnendahl den Schülern, sind ja nicht die Dur-Dreiklänge, die sie komponiert haben, sondern die Art und Weise, wie sie diese Dur-Dreiklänge in ein Verhältnis zueinander setzen. Mit anderen Worten: es geht nicht so sehr darum, die Welt der Klänge auf den Kopf zu stellen und die entlegensten Geräusche zu kultivieren, sondern vielmehr darum, verfügbare Materialien auf originelle und vor allem sinnstiftende Weise miteinander zu verbinden. Der Begriff «Versatzstücke», der Titel der Komposition von Finnendahl, das dem Workshop am Waldshuter Hochrhein-Gymnasium zugrunde lag, veranschaulicht dieses Prinzip. Denn Versatzstücke, eigentlich bewegliche Teile einer Bühnendekoration, sind ja fertige, bereits existierende Einheiten, die nur noch an ihren Platz gerückt werden müssen, um dort im Gesamtzusammenhang ihre Bedeutung zu entfalten.

Die Schüler der Klasse 11aM und die Arbeitsgemeinschaft Klangbaustelle des Hochrhein-Gymnasiums Waldshut unter Anleitung von Matthias Handschick haben den Begriff beim Wort genommen. Am Anfang ihrer Erkundungen stand dann auch das «Versetzen» elementarster Strukturen: eine chromatische Tonleiter abwärts, ein Decrescendo, an sich banale Abläufe, die aber, wenn man sie zergliedert, an Tiefe und Profil gewinnen.

Bemerkenswert ist, wie sich die Verfahren des «Versetzens» im Verlauf des Workshops verfeinerten und dass sogar ein gesteuertes Zufallsverfahren ähnlich «Schnick-Schnack-Schnuck» hinzugezogen wurde, um die Position eines Versatzstückes innerhalb einer Komposition zu ermitteln. Schließlich wurden auch elektronische Speichermedien, sprich: ein Computer, hinzugezogen, mit deren Hilfe dann Versatzstücke, zum Beispiel Aufnahmen aus der Küche, collagiert wurden. Und wo Schüler einige aus dem Internet heruntergeladene Ausschnitte aus Politikerreden zum Material erkoren und mit den unzweideutigen Geräuschen einer spülenden Toilette konfrontierten, wurde der Begriff «Versatzstück» gar noch in einem anderen Sinne verständlich, im Sinne eines Klischees nämlich.

Auf die Arbeit mit vollkommen heterogenen Materialien haben die Schüler allerdings verzichtet, denn das Prinzip des Versatzstücks setzt ja durchaus einen gewissen Grad an Materialhomogenität voraus, wodurch es sich von der Collage unterscheidet.

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