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14.11.2019 : 4:47 : +0100
[Matthias Handschick zur Annäherung and das Stück und seine Vorgehensweise. Bild einmal klicken, um Video zu starten. Clipdauer: 11'50'']

Vorbemerkungen zur Unterrichtseinheit

Eine Unterrichtseinheit zu entwerfen zu einem Stück, das erst kürzlich komponiert wurde und noch nicht einmal als Aufnahme im Handel erhältlich ist, gleicht insofern einem Abenteuer, als dass man kaum jemanden um Rat fragen kann, welche Aspekte des Stücks denn überhaupt Gegenstand der pädagogischen Vermittlung sein könnten bzw. sollten, geschweige denn, mit welchen Methoden sich die betreffenden Aspekte des Stücks schülergerecht thematisieren und auf welche Weise sich Zugänge zu dem Stück eröffnen lassen.

Bei der vorbereitenden Auseinandersetzung mit dem Stück »Fiktive Tänze« haben mich verschiedene Dinge fasziniert: die klangliche Vielfalt und Differenziertheit, die sich innerhalb der zum Teil sehr kurzen Sätze entfaltet, das breite Spektrum an Möglichkeiten, musikalische Zeit zu gestalten und zu empfinden, der Umgang mit sich wiederholenden Rhythmus- und Bewegungsmodellen, die für sich genommen jeweils sehr klar und einfach strukturiert sind, zusammengenommen jedoch sehr komplexe Verläufe ergeben, die Verunsicherung, mit der unsere Wahrnehmung auf diese Phänomene reagiert, sowie die präzise Notation, die schon am Schriftbild erkennen lässt, dass es sich um eine unglaublich facettenreiche und ausdifferenzierte Musik handeln muss.

Da es sich bei den »Fiktiven Tänzen« um ein Kunstwerk, das hinsichtlich seiner Rezeption und Deutung in alle Richtungen offen ist, kann es unter den genannten Aspekten des Stücks keinen geben, auf den eine Unterrichtseinheit zwangsläufig hinzuarbeiten hätte. Dementsprechend handelt es sich bei den folgenden Vorschlägen zur Unterrichtsgestaltung um Versuche, sich der Musik von Arnulf Herrmann auf unterschiedliche Weise zu nähern.

Die Annäherungsversuche sind in vier Gruppen unterteilt:

Annäherungen über das Hören

Annäherungen über Körpergefühl und Bewegung

Annäherungen über musikalische Improvisation

Annäherungen über die Partitur

Für jeden der vier Bereiche werden mehrere Vorschläge gemacht. Die hier gewählte Reihenfolge der einzelnen Unterrichtsbausteine ist nicht zwingend. Interessierte Kolleginnen und Kollegen seien ermuntert, selbst auszuwählen, was ihnen für ihre Klassenstufe und spezifische Schülergruppe brauchbar erscheint und was nicht.

Am Hans-Thoma-Gymnasium Lörrach wurde die Unterrichtseinheit in einer siebten Klasse durchgeführt, die sowohl in Bezug auf die Leistungsfähigkeit als auch in Bezug auf das Sozialverhalten ausgesprochen inhomogen zusammengesetzt ist und deren Schülerinnen und Schüler kaum über Vorerfahrungen mit Neuer Musik verfügen. Dementsprechend wurden mehrere Unterrichtsbausteine in kleine Gruppen verlegt, in denen sich die Schülerinnen und Schüler ihren Neigungen und Veranlagungen gemäß mit der Musik Arnulf Herrmanns auseinandersetzen konnten. Prinzipiell sind alle Unterrichtsbausteine aber auch im Klassenverband denkbar.

Geeignet sind die Unterrichtsbausteine für Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 7. Da die einzelnen Module frei auswählbar und miteinander kombinierbar sind, kann je nach Situation entschieden werden, welchen zeitlichen Umfang die Unterrichtseinheit einnehmen soll.

[Matthias Handschick]

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