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1.8.2014 : 1:37 : +0200
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Matthias Handschick – Rückblick & Reflexion

Die Unterrichtseinheit zu den »Fiktiven Tänzen« von Arnulf Herrmann in der Klasse 7c des Hans-Thoma-Gymnasiums Lörrach hat versucht, sich von ganz unterschiedlichen Richtungen aus der spezifischen Ästhetik der Musik Arnulf Herrmanns zu nähern. Rückblickend erscheinen mir diejenigen Momente am wertvollsten gewesen zu sein, in denen die Schülerinnen und Schüler der Musik möglichst konzentriert, aber gedanklich frei, das heißt ohne einen einschränkenden Hörauftrag, gelauscht haben. Diese Situationen sind meines Erachtens in besonderem Maße bei den ganz zwanglosen Hörkritzeleien und bei den freien Bewegungsimprovisationen, die wir unter dem Titel »fleischfressende Pflanzen« durchgeführt haben, entstanden.

Ebenfalls besonders wertvoll scheinen mir rückblickend die musikalischen Improvisations- bzw. Kompositionsübungen mit den Mikrointervallen und dem präparierten Klavier zu sein sowie die Gruppenimprovisation, die wir »Monsterparade« genannt haben. Zwar haben wir uns hierbei nicht unmittelbar mit der Musik Arnulf Herrmanns beschäftigt, jedoch wird im eigenen freien Spiel mit dem Instrumentarium und dem musikalischen Material ein ähnlich konzentrierter Zustand und eine ähnliche Intensivierung der eigenen Wahrnehmung erreicht, wie in den genannten Hörsituationen.

Die Erfahrungen, die während dieser kreativen Phasen gesammelt werden können, dürften über ihren Selbstwert hinaus auch Zugänge zu den »Fiktiven Tänzen« eröffnen, indem sie Vertrautheit gegenüber bestimmten ästhetischen Problemstellungen schaffen und Interesse an den Lösungsstrategien des professionellen Komponistenkollegen erzeugen.

Auch wenn Erfahrung in ihrem Wert für die Persönlichkeitsbildung stets höher einzuschätzen ist als pures Wissen, darf die Notwendigkeit einige Sachfragen in Bezug auf die Partitur zu klären, nicht unterschätzt werden. Die Kenntnis der Fachterminologie und die Fähigkeit, auch kompliziertere Notenschriften zu verstehen, sind eine weitere Vorraussetzung für die Fähigkeit, Musik selbstständig zu erschließen, sie in ihren Kontext einzuordnen und qualifiziert zu beurteilen.

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