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22.8.2019 : 21:49 : +0200

 

Arbeitsblatt Arbeitsblatt «Analyse-Schlaglichter»
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[Triolen Ostinato mit Störern. Bild einmal klicken, um Video zu starten. Clipdauer: 1'04'']
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Übungen zum 3. Satz [«Sognante, Hommage to Schubert & Ravel»] aus den Deux Visages

Die im Folgenden dargestellten Übungen beziehen sich auf aus Saed Haddads Komposition abgeleitete strukturelle Phänomene Die Übungen bieten damit gleichzeitig die Möglichkeit, die Phänomene in einer didaktischen Reduktion musikalisch praktizierend nachzuvollziehen sowie sie im Anschluß beim Hören des Stückes analytisch betrachtend zu erfassen.

Die Übungen lassen sich gut mit Trommeln, Tambourins, Bongos u.ä. spielen. Man kann auch, falls entsprechende Instrumente vorhanden sind, Tonhöhen einbeziehen, sollte dies aber sehr sparsam machen und sich zunächst auf  gemeinsame Töne (auch in unterschiedlichen Oktaven) einigen. Alle Übungen lassen sich notfalls auch nur klatschend und mit Bodypercussion umsetzen.

Schwankendes Metrum

Alle Teilnehmer spielen zunächst  ein gemeinsames Metrum. Nun beginnt ein Spieler des Kreises solistisch und spielt ein neues Metrum, ändert dann aber das Tempo und gibt das neue Tempo an den neben ihm sitzenden Spieler weiter (beide überlappen, spielen also eine kurze Zeit gemeinsam), sodass es im Verlauf des Kreises zu permanenten Tempo-Schwankungen kommt.

Lücken-Metrum

Die Teilnehmer verteilen sich im Raum. Ein Metrum wird gespielt, zunächst von allen gleichzeitig. Das Tempo wird zunächst gleichmäßig und ohne hörbare Schwerpunkte gehalten. Der Spielleiter spielt nun das Metrum sehr leise, aber hörbar alleine weiter, die Spieler nehmen das Tempo wahr und konzentrieren sich darauf, ohne es mitzuspielen (Notfalls als Ersatz ein Metronom nehmen). Jeder legt nun für sich eine Zahl zwischen 5 und 13 fest und setzt immer nur auf dieser Zählzeit mit einem lauten klaren Schlag ein. Wichtig ist, dass kein gemeinsamer Zählstart (keine 1) festgelegt wird, man sollte daher erst etwa eine Minute nur das Metrum hören. Im zweiten Durchgang kann der Zahlenbereich für die Einsätze deutlich vergrößert werden, um damit die Klang-Dichte zu verändern.

Raumklang-Ostinato

Alle spielen gemeinsam ein triolisches Ostinato. Dann wird versucht, das Ostinato auf alle Spieler mit deutlich unterschiedlich klingenden Trommeln (oder Instrumenten) zu verteilen, das Ostinato wandert so im Kreis herum, alle versuchen dabei möglichst gleichmäßig einzusetzen und trotzdem den Triolen-Schwerpunkt hörbar zu machen. Nun wählt sich jeder eine Triolennote (1. oder 2. oder 3. Note), die Spieler verteilen sich im Raum und man versucht gemeinsam die Triole als Ostinato sehr regelmäßig aber räumlich und auf verschiedene Spielergruppen verteilt zu spielen. Im Anschluss versucht man dieses Raumklang-Ostinato mit einem Solo-Ostinato-Spieler zu kombinieren, beide wechseln sich auf ein Zeichen ab und versuchen, keine Lücken entstehen zu lassen. Hier sollte man die Aufmerksamkeit der Spieler auf die interessanten Klangschwankungen lenken. Hier gibt es einen direkten Bezug zum Schlussteil des III. Satzes, in dem die Solo-Violine jeden Ostinato-Ton in einer anderen Lage spielt.

Triolen-Ostinato mit Störern

Wieder spielen alle gemeinsam ein triolisches Ostinato. Im ersten Schritt wird ein gemeinsames accelerando und ritardando ausprobiert. Dann werden einzelne Solisten festgelegt (oder die solistischen Einsätze verlaufen reihum im Kreis), die über das Ostinato ein rhythmisch sehr freies, kurzes und sehr energetisches Solo spielen.

Umkehrung: Alle spielen gleichzeitig mit dirigiertem Einsatz freie hektische Rhythmen, ein Solist spielt das triolische Ostinato und ist immer nur in den tutti-Pausen zu hören. Dies sollte mehrfach wiederholt werden, dabei sollten auch die Dauern der tutti-Einsätze unterschiedlich, tendenziell aber eher kurz sein, sodass das Ostinato wie ein ruhiger Fluss hervortritt. Der Solist kann nun im zweiten Durchgang das Tempo wechseln, sodass seine Soli mal sehr schnell und mal sehr langsam aus dem Klangchaos hervor wachsen.

Gemeinsames Hören des III. Satzes

Im Anschluss an die Übungen wird nun der 3. Satz der «Deux Visages de l´Orient» gemeinsam gehört.

Zur Vertiefung der hörenden Beobachtungen kann beim zweiten Hören auch ein Mitlesen der Partitur dienen. Auch ein im Notenlesen ungeübter Teilnehmer kann sicher die zwei Ebenen, das Doppelspiel von Ostinato und zerrissener Melodie, im Notentext erkennen. Es empfiehlt sich nun ein Austausch über die gemeinsame Hörerfahrung im Zusammenhang mit den vorangegangenen praktischen Übungen. Sicher ergeben sich Detailbeobachtungen, die vom Workshop-Leiter durch zusätzliche Informationen ergänzt werden können.
[Siehe auch Arbeitsblatt «Analyse-Schlaglichter»]

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