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14.11.2019 : 5:19 : +0100

 

Arbeitsblatt «Kulturbegriff»
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Multikulturell – Interkulturell – Transkulturell ?

Um sich der Thematik anzunähern, ist es wichtig, sich über das eigene (westlich geprägte) Orient-Bild, das wir in uns tragen und das möglicherweise unbewusst unsere Wahrnehmung beeinflusst, klar zu werden. Zu diesem Zweck soll zunächst in einer frei assoziierten Runde ein solches Mosaik an Vorstellungen visualisiert werden:

Die Teilnehmer bekommen eine Karteikarte und werden dazu aufgefordert, jeweils möglichst nur einen Begriff zu notieren, der ihnen spontan zu «Orient» einfällt – «Welche Vorstellung, welches Bild haben wir  als Westeuropäer tatsächlich von Orient?»

Im Workshop entstanden diese spontanen Assoziation:

1001 Nacht; Islam; Muezzin-Ruf; Moscheen; verschleierte Frauen; Wüste; Gewürze; exotische Düfte; Tee, fliegender Teppich; Minarett; Geheimnis; Sterne; Oase; filigrane Ornamentik; Poesie; heiliger Krieg; Kreuzzüge; unermesslicher Reichtum; Paläste; bittere Armut; Serail; Bauchtanz; Säbel; große Weisheit; Mathematik; Entschlossenheit; sehr alte Kultur…

Welche klanglichen Assoziationen hatten die Teilnhmer von arabischer (orientalischer) Musik?

Unbegleiteter Gesang oder Solo-Instrument; Reich verzierte Melodik, melismatisch; Ungewohnte Intervalle, (Mikrointervalle, Schwebungen), schwankende Intonation; Komplexe Rhythmik, Darabukka; Ausschweifende Form, frei improvisiert wirkend…

Im Booklet zur gerade veröffentlichten Portrait-CD des Deutschen Musikrates schreibt Dan Albertson:

«Die Theorien des vor einigen Jahren verstorbenen palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said haben den Komponisten stark geprägt, insbesondere die Vorstellung, dass Okzident und Orient zu gegenseitigem Missverstehen verdammt sind, wenn die derzeit vorherrschenden Standpunkte unangezweifelt beibehalten werden.»

Edward Saids Buch «Orientalism» hatte Saed Haddad auch zum Titel seines Stückes «Les Deux Visages de l´Orient» inspiriert, nicht zuletzt deshalb, weil Said die Idee vertritt, dass sich die westliche Wahrnehmung, der Orient sei ein Ort des Mystischen, Exotischen, nicht tiefgreifend verändert habe und sich hinter diesem Bild aber ein zweites, wahres Gesicht befände, das es endlich wahrzunehmen gelte. Was nun genau dieses zweite Gesicht des Orients ist, wäre also herauszufinden.

Gleichwohl führen diese Gedanken und Äußerungen mitten in eine Diskussion, die im Laufe der letzten Jahrzehnte immer wieder neue Konzepte und damit verbundene Kulturbegriffe hervorgebracht hat.

Im [Arbeitsblatt «Kulturbegriff»] findet sich ein bewusst provokant formuliertes Zitat des wissenschaftlichen Leiters des Bonner Instituts für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft, Dr. Bernd Wagner, im Zusammenhang mit der Diskussion um das Konzept der Transkulturalität – «Kulturen sind immer Bastarde». Die Beschäftigung mit dieser These kann dazu dienen, die Diskussion anzuregen und fortzusetzen.

Auch Saed Haddads Äußerungen und Ideen im Gespräch mit den Workshop-Teilnehmern und der Musikwissenschaftlerin Dr. Doris Kösterke können Anregung zu einer weiteren Diskussion mit dem Ziel einer Annäherung über den gemeinsamen Dialog sein.

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