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16.12.2018 : 14:49 : +0100

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Kurt Pahlen (Hg.): Don Giovanni
Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart
Einführung und Kommentar

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Glossar

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Don Giovanni

«Was nach der Oper übrig blieb»

Don Giovanni oder Don Juan ist als archaischer Typus für SchülerInnen vor allem deshalb interessant, weil er keine Angst hat, Konflikte zu provozieren und auszuhalten. Er eckt ebenso oft an wie er verführt. Gesellschaftliche Konventionen macht er sich zunutze, er spielt mit den ­Erwartungen seiner Mitmenschen, überrascht sie immer wieder, indem er Grenzen missachtet. Sein Freiheitsdrang ist groß. Etwas scheint er doch zu fürchten: Leere, Langeweile, Stagnation. Dagegen helfen immer neue Eroberungen. Was man früher «Manneskraft» nannte und heute vielleicht «Potenz», darüber verfügt Don Giovanni im Übermaß. Außerdem ist er körperlich gewandt, weiß sich mit Waffen und Fäusten ebenso zu verteidigen, wie er mit Worten zum Ziel kommt. Er ist ein fantasiebegabter Tausendsassa, vielleicht ein Hochbegabter, dem das Durchschnittsleben zu wenig Herausforderung bietet. In Mozarts Biografie lassen sich manche Paral­lelen finden.
Heute würde Don Giovanni einen Luxus-BMW fahren, mit der neuesten Technik hantieren und als Jet-Set die Welt bereisen. Mit anderen Worten: Die Titelfigur der Oper verkörpert vieles, was heutige Jugendliche sich erträumen – und auch das, was in Werbung und Kino propagiert wird.
Der Statuskonflikt mit dem Komtur, die Strafe am Ende und der moralische Triumph der Opfer lassen sich aus heutiger Sicht weniger gut nachvollziehen. Don Giovannis Rücksichtslosigkeit bezüglich der Gefühle und Werte anderer Menschen würden auch heute noch Empörung auslösen, aber seine immer gute Laune, sein Humor, seine Zärtlichkeit und seine Verwegenheit wirken ­anziehend und überzeugend. Jemand, der so hohe Risiken für die Verwirklichung der eigenen Ziele eingeht, verdient Bewunderung. Erst recht, wenn die Gesellschaft am Ende Recht behält, wenn «der Böse» bestraft wird, in die Hölle fährt, also aus der Gesellschaft eliminiert wird von ­einer höheren Macht. Donna Anna, Donna Elvira und Don Ottavio sind zwar im Recht, aber sie sind nicht glücklich. Ihr Sieg wirkt äußerlich, theoretisch und wenig sympathisch. Don Giovanni dagegen bleibt sich selbst treu, er lässt sich nicht von der Gesellschaft korrumpieren und gewinnt damit auch die Sympathie der Zuschauer. Er entzieht sich letztendlich einer moralischen Beurteilung.

Autorin der Sendung: Mascha Drost
Autor der Arbeitsmaterialien: Micaëla Grohé