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17.11.2019 : 6:25 : +0100

Der Titel «Flowers of Carnage» bezieht sich auf ein Lied der japanischen Sängerin Meiko Kaji (Shura no Hana, dt.: Die Blume des Gemetzels). Es fungiert als Titelsong in dem Film «Lady Snowblood».

Trailer zum Film «Lady Snowblood» (1973, Regie:Toshiya Fujita), der die Geschichte einer Frau erzählt, die «aus einem einzigen Grund geboren wurde: um Rache zu nehmen. Rache für den brutalen Überfall auf ihre Familie, die sie nie kennen lernte.» Hierfür wird sie bereits als junges Mädchen meisterlich in der Kunst des Schwertkampfes ausgebildet.

«Flowers of Carnage» – Leininger-Gymnasium Grünstadt

Das Musiktheaterstück Flowers of Carnage beschäftigt sich zum einen mit dem zwiespältigen Verhältnis zu medialen Darstellungsformen ostasiatischer Kampfkunst und versucht zum anderen, Jugendlichen (in diesem Fall 25 SchülerInnen der AG-Neue Musik des Leininger-Gymnasiums Grünstadt) eine Annäherung und kreative Auseinandersetzung mit Kung Fu zu ermöglichen. Dabei spielt deren unmittelbare praktische, körperliche und seelische Erfahrung in der musikalischen Transformation dieser chinesischen Kampfkunst und ihrer Darstellungsformen eine wichtige Rolle.

Annesley Black hat kurze Klangbeispiele aus einer breiten Auswahl von Martial-Arts-Filmen entnommen wie etwa Schreien, Ächzen, Stöhnen, Röcheln, die Atemgeräusche und der Herzschlag der Kämpfenden, das Flitzen und Geklirr ihrer Schwerter und Peitschen, brutale Kampfgeräusche wie spritzendes Blut und dumpfe Schläge. Die oft nur wenige Sekunden langen Soundtrack-Ausschnitte hat sie akribisch untersucht und nach melodischen, rhythmischen, formalen und dynamischen Gesichtspunkten geordnet. Sie dienten als Grundlage für die eigene kompositorische Arbeit von SchülerInnen: Nach bestimmten Vorgaben der kanadischen Komponistin entwickelten sie aus diesem Material kurze vokale und instrumentale Stücke, die dann wiederum von der Komponistin weiter bearbeitet und ergänzt wurden, bis daraus ein etwa 50 Minuten dauerndes Musiktheaterstück entstand.

Das so gewonnene Klangmaterial wurde mit neuen Choreographien (Evelin Stadler) konfrontiert, die auf der Basis des hoch stilisierten Bewegungsrepertoires von Kung Fu entwickelt wurden. Dieses Bewegungsrepertoire hatten die Jugendlichen in Trainingseinheiten bei einem Kung Fu Meister kennengelernt. Im Zusammenspiel steuern die Bewegungen der neu entwickelten Choreographie die den Filmen entnommenen und bearbeiteten Klänge mittels Bewegungssensoren (z.B. mit einem präparierten Wii-Stick) oder durch Reagieren auf die MitspielerInnen. Zuweilen steuern auch die Klänge die Bewegungen. Es entsteht ein Wechselspiel aus Gegenwehr, Zurückhaltung und Angriff.

Die Mitwirkenden sind während des Arbeitsprozesses mit den Grenzen und Möglichkeiten ihres eigenen Körpers konfrontiert worden. Mit ihrer Aufführung feiern sie die fintenreichen, raffinierten Kampfkünstler, ihre physische, spirituelle und moralische Disziplin. Gleichzeitig setzen sie sich durch ihre extrem stilisierte musikalische Bearbeitung von Martial-Arts-Soundclips auf ungewöhnliche Weise mit dem Thema Gewalt und Brutalität auseinander. 

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