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19.8.2019 : 15:05 : +0200

Vorstellung des Projektes

Die Leiterin der AG-Neue Musik am Leininger-Gymnasium Grünstadt, Silke Egeler-Wittmann, zu den beiden Workshop-Projekten, zur Arbeit in der AG-Neue Musik mit der Komponistin, und zur Reproduzierbarkeit des Projektes. [Video-Clip Dauer: 10'00'']


Bühnenfläche
Instrumentalensemble
Bühnenbild [alle: ©Jane Dunker]

Workshop Einführung

Es gibt vier wesentliche Elemente in Flowers of Carnage, die einzeln oder auch in Kombination erscheinen: Stimme, Instrument, Bewegung, Elektronik. Ausgehend von dem beschriebenen Material wurden 28 einzelne Szenen entwickelt, aus denen sich das Stück zusammensetzt. Das Ensemble wechselt mehrfach zwischen den zwei Haupt-Positionen Bühnenfläche und Instrumentalensemble. Ein oder mehrere Solisten bewegen sich zu den Klängen des Instrumentalensembles oder sie steuern umgekehrt die Musik der Instrumentalisten.

Vier Szenen werden von vier MP3-Solisten mit vokalen Klängen gestaltet, sie sind um das Publikum herum positioniert. Elektronische Klänge hört man im Vorspann, der zugleich als akustische Begleitung für eine Warm-up-Choreografie dient. Drei Einschübe elektronischer Musik dienen als Übergang und akustische Vorbereitung folgender Szenen. Mit Bewegungsmeldern (präparierte Wii-Sticks sowie am PC) werden eine vokale Szene (Metamorphose) und das instrumentale Schlussstück (eine Adaption des Titelsongs aus Lady Snowblood) live-elektronisch verfremdet.

Die Bewegungselemente, aus denen sich die Choreografie zusammensetzt, beziehen sich auf Grundpositionen und Bewegungsphrasen des Kung Fu. Das Bühnenbild ist sehr sparsam aus immer wieder neu miteinander kombinierten Paravent-Elementen gestaltet. Auf schwarzen Holzsprossenrahmen ist ein halb transparenter grauer Nesselstoff gespannt. Mit Theaterscharnieren lassen sich die unterschiedlich hohen Elemente immer wieder neu zusammensetzen. Sie strukturieren den Bühnenraum ermöglichen immer wieder das Verdecken einzelner Spieler und Instrumentalisten. Sie erinnern an die Innenarchitektur traditioneller japanischer Häuser, deren verschiebbare Wände auch sprossenförmig aufgeteilt und mit hellem, halbtransparentem Stoff oder Papier bespannt sind. 

Einige der musikalischen Szenen und Stücke aus Annesley Blacks Stück Flowers of Carnage eignen sich, um sie mit SchülerInnen selbst auszuprobieren und den Prozess ihrer Entstehung nachzuvollziehen – zumal das Ausgangsmaterial vielen SchülerInnen möglicherweise vertraut ist im Zusammenhang mit dem Soundtrack von Computerspielen oder auch von Martial-Arts-Filmen.

Die hier präsentierten Übungen, Materialien und Stücke sind zum Teil von Jugendlichen in vielen Workshops gemeinsam mit der Komponistin entwickelt worden. Für den Musikunterricht oder im Rahmen eines Workshops bieten sie die Möglichkeit, in Gruppen improvisierend und komponierend zu experimentieren. Interessant ist dabei besonders die Verwendung der Soundfiles, die Annesley Black als kompositorisches Material bearbeitet und vorstrukturiert hat. Im Folgenden werden sowohl vokale als auch instrumentale Konzepte vorgestellt. Da die Erarbeitung der choreografischen Elemente sehr aufwändig ist – es bedarf einer intensiven Vorbereitung mit professionellem Kung Fu-Training, um die komplexen Bewegungsphrasen übernehmen zu können – beschränkt sich der Workshop auf zwei Konzepte, in denen einfache Bewegungselemente zur Steuerung musikalischer Prozesse eingesetzt werden.

Ziel des Workshops ist zum einen die Annäherung an die (künstlerische) Arbeit auch mit außermusikalischen Klängen und das Erkunden ihrer musikalischen Qualitäten im Sinne eines erweiterten Musikbegriffs. Zum anderen steht aber auch hier die Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Gewalt und Brutalität und ihren Darstellungsformen im Zentrum.

Schließlich dienen alle diese Aktivitäten nicht zuletzt dem Verständnis des Stückes Flowers of Carnage von Annesley Black und damit der produktiven Annäherung an zeitgenössisches Musiktheater.

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