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18.8.2019 : 11:11 : +0200

Klänge beschreiben (Stunden 5/6 und 7/8)

Ablauf:

In den folgenden beiden Doppelstunden wird ein begriffliches Repertoire zur Beschreibung von Klangfarben bzw. Klangfarbenprozessen erarbeitet, das später (siehe undefinedStrukturieren, Stunde 11/12) für eine Analyse von Quadro I fruchtbar gemacht werden soll.

Anhand des Arbeitsblattes 2a-Klangprozesse informieren sich die Schülerinnen und Schüler zunächst über grundlegende Aspekte der Klangfarbe sowie über die Möglichkeit, klangfarbliche Prozesse mithilfe von grafischen Partituren zu visualisieren.

Anschließend wenden sie in Partnerarbeit diese Kenntnisse an, um den Klangverlauf von acht kurzen Schallereignissen (Klangbeispiele 1 bis 8) zu beschreiben, von denen zwei auch visualisiert werden sollen (Arbeitsblatt 2b-Beschreibung von Klängen).

Außerdem soll jede Zweiergruppe mit beliebigen Mitteln einen vorgegebenen Klang realisieren.Die Ergebnisse werden abschließend im Plenum verglichen und diskutiert.

Material:

  • Arbeitsblatt 2a-Klangprozesse
  • Arbeitsblatt 2b-Beschreibung von Klängen
  • Klangbeispiele 1 bis 8 (kurze Schallereignisse, jeweils fünf Mal wiederholt)
  • Audio-Abspielgeräte (mp3-Player, Laptops etc.) mit Kopfhörern

Didaktisch-methodische Hinweise:

Nachdem Quadro I bisher eher im Hinblick auf den musikalischen Ausdruck thematisiert wurde, geht es nun darum, ein begriffliches Instrumentarium zu erarbeiten, um die Klangfarbenentwicklung zu beschreiben, die kompositorisch im Mittelpunkt dieses Satzes steht. Die vier Kategorien, die auf dem Arbeitsblatt 2b vorgestellt werden – Klangcharakter, spektraler Charakter, Körnigkeit und Klangverlauf – knüpfen an theoretische Ansätze an, wie sie insbesondere von Pierre Schaeffer und Denis Smalley entwickelt worden sind, ohne dass deren Systematik im Unterricht entfaltet werden könnte.

Zur Erarbeitung des Informationsblattes ist der methodische Dreischritt think – pair – share sinnvoll: Jeder Einzelne liest den Text zunächst für sich selbst und markiert sich unklare Begriffe, Formulierungen etc.; dann tauscht er sich mit seinem Nachbarn darüber aus und beide versuchen, offene Fragen zu klären; zuletzt wird der Inhalt von ausgewählten Schülerinnen und Schülern im Plenum vorgestellt; alle haben dabei die Möglichkeit zu Fragen, Ergänzungen und Korrekturen.

In der Plenumsphase kann es hilfreich sein, die einzelnen Kategorien immer wieder exemplarisch anhand konkreter, aus der Situation heraus mithilfe von Instrumenten oder Alltagsgegenständen erzeugten Klängen zu erläutern, beispielsweise indem das Ausschwingverhalten eines per Tastendruck erzeugten Klavierklangs mit dem einer per Fingernagel gezupften Klaviersaite verglichen wird. So wird zugleich auch der Zusammenhang zwischen Klangfarbe und Klanggenese evident und die Schülerinnen und Schüler erhalten erste Anregungen, wie Klänge auch jenseits der konventionellen Spieltechniken erzeugt werden können.

Bei den Höranalysen sollten die Klangbeispiele jedem einzelnen Schülerpaar zugänglich sein, damit der Hör- und Arbeitsprozess individuell gestaltet werden kann. Dies ist beispielsweise mithilfe von mp3-Playern oder Laptops möglich, die über Kopfhörer abgehört werden sollten, um einerseits eine differenzierte Höranalyse zu ermöglichen und andererseits die anderen Kursmitglieder nicht zu stören. 

Im Hinblick auf die abschließende Präsentation und Diskussion der Arbeitsergebnisse im Kursplenum ist es wichtig herauszuarbeiten, dass die Beschreibung von Klängen und Klangprozessen nicht die gleiche Eindeutigkeit und Präzision besitzt wie die Bestimmung von Tonhöhen, Tondauern, Intervallen etc. im Rahmen der traditionellen Notation. Häufig ist man zur Beschreibung musikalischer Eigenschaften auf räumlich-visuelle oder taktile Metaphern angewiesen – man spricht etwa von Tonhöhen, dunklen oder hellen, rauen oder glatten, harten oder weichen Klängen bzw. Klangfarben. Und während im Bereich der Tonhöhe die zwölfstufige Unterteilung der Oktave in weiten Teilen der Kunst- und Unterhaltungsmusik etabliert ist, liegen derartige allgemeingültige Skalierungen im Bereich der Klangfarbe nicht vor – und wären wohl auch nicht sinnvoll.

Auch die vierfachen Abstufungen der Kategorien «spektraler Charakter», «Körnigkeit» und «Klangcharakter» in der Tabelle (Arbeitsblatt 2b-Beschreibung von Klängen) sind selbstverständlich willkürliche Unterteilungen eines klanglichen Kontinuums, die je nach Bedarf bzw. analytischem Erkenntnisinteresse auch anders gewählt werden könnten. Im Zusammenhang des Unterrichtsprojekts geht es hier vor allem darum, überhaupt einmal verschiedene Komponenten des Phänomens Klangfarbe zu unterscheiden und innerhalb der verschiedenen Komponenten hörend weitere Differenzierungen vorzunehmen. Daher können die Schülerinnen und Schüler bei der Kategorisierung der acht Klänge (Arbeitsblatt 2b, Aufgabe 1) im Detail durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen: Wo etwa der eine einen kurzen Impuls hört, der durch den akustischen Raum der Aufnahme mit einem Nachhall versehen wird, nimmt der andere einen – wenn auch kurzen – Ausschwingvorgang wahr.

Indem man über derartige Fragen diskutiert, rücken auf einmal subtile klangfarbliche Differenzierungen ins Bewusstsein, über die man zuvor meist hinweggehört hat.Die grafische Darstellung der Klänge (Arbeitsblatt 2b, Aufgabe 2) ist eine elementare Vorübung für die Transkription längerer Partien des Quadro I (siehe undefinedStrukturieren, Stunde 11/12). Gerade weil bei der Beschreibung immer wieder eine visuelle Metaphorik herangezogen wird, kann eine solche Übertragung die klanglichen Eigenschaften eines Schallereignisses oftmals sinnfälliger wiedergeben als die traditionelle Notenschrift. Da für derartige Transkriptionen kein verbindlicher Kodex existieren kann, können die Schülerinnen und Schüler hier durchaus ihre eigene Kreativität einbringen.

Je nachdem, ob das Darstellungsinteresse eher auf der prägnanten Umsetzung der grundlegenden klanglichen Eigenschaften (auf Kosten der Details) oder eher auf der sorgfältigen Wiedergabe feinster Nuancen (auf Kosten des Gesamteindrucks) liegt, kann die visuelle Darstellung desselben Klangs sehr unterschiedlich ausfallen. Gleichwohl kann man insoweit Beurteilungskriterien für die Qualität einer Übertragung formulieren, als der Zusammenhang der einzelnen grafischen Elemente zu dem beschriebenen Klang ja stets nachweisbar sein muss.

Die kriteriengeleitete Erzeugung eines Klanges (Arbeitsblatt 2b, Aufgabe 3) stellt eine elementare Vorübung für das Komponieren eigener Stücke dar. An dieser Stelle geht es zunächst darum, bei der Realisierung die Vorgaben zur klanglichen Struktur so genau wie möglich umzusetzen. Daher ist es sinnvoll, in der abschließenden Präsentation, mehrere Realisationen des Klanges zu vergleichen.

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