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26.9.2020 : 8:32 : +0200

Video

Ludmila Symonova im Interview zu der Komposition und der Umsetzung in der Klasse.


Übersicht:

00:00 Die Klasse
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2:00 Die Schüler*innen


03:12 Die Komponistin

04:15 Das Stück
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5:18 Die Schwierigkeiten

07:19 Ein paar Tipps


Unterrichtsplanung

Aufgrund der Vorerfahrungen und gruppendynamischen Prozesse in der Klasse hat sich folgende zeitliche Einteilung der Auseinandersetzung mit Your turn ergeben:

Komponistin Huihui Cheng: Wer? Was? Wie? (eine Doppelstunde)

Eigene Ideen zum Thema Stimme (Mindmaps) (eine Stunde)

Analyse von Sequenza III von Luciano Berio (drei Stunden)

Ergänzungen der Mindmaps zum Thema Stimme (eine Stunde)

Praktische Darstellung von verschiedenen
 stimmlichen Äußerungen (eine Doppelstunde)

Auseinandersetzung mit dem Original (eine Doppelstunde)

Gruppenarbeit: Spiele entwerfen (vier Doppelstunden)

Gruppenergebnisse ergänzen/ändern (drei Doppelstunden)

Generalprobe: Präsentation der Ergebnisse (eine Doppelstunde)

Projekttag (09:00 bis 12:30 Uhr)



Unterrichtsprojekt von Ludmila Symonova-Zamanski


Einleitung

Für die Durchführung des Vermittlungsprojektes zu Huihui Chengs Your turn wurde die Mittelstufenklasse 7d des Faust Gymnasiums in Staufen im Breisgau ausgewählt. Die angenehme Größe der Klasse mit 10 Schülern und 11 Schülerinnen und das kreative Potenzial der interessierten und aufgeweckten Schüler*innen sprachen für ein größeres gemeinsames Vorhaben.

Im November 2018 konnte ich die Komponistin Huihui Cheng persönlich kennenlernen und ihr Stück Narcissus & Echo live in Freiburg erleben. Ihre beeindruckende Kreativität, Offenheit und Umgänglichkeit haben mich in meiner Entscheidung bekräftigt, Your turn mit den Schüler*innen aufzuführen und dazu ein Vermittlungsprojekt im Februar 2019 anzufangen.

Da der Musikunterricht mit relativ kurzen oder gar keinen Pausen in Einzelstunden in dieser Klasse stattfand, war mir die kontinuierliche Arbeit, die Ausdauer der Schüler*innen und die klare Aufgabenverteilung wichtig. Die Gruppenfindung überließ ich den Schüler*innen. Nach drei Wochen des Ausprobierens standen die Gruppen fest und sind bis zum Ende des Projekts gleichgeblieben. Die vorgesehene Zusammenarbeit mit der Komponistin wirkte besonders motivierend auf die Schüler*innen, die bereit waren, sich mit der für sie neuen Musikwelt auseinanderzusetzen und selber Neues zu wagen.


 Your turn: spielbar?!

Als ich Your turn im Februar 2019 beim ECLAT Festival Neue Musik in Stuttgart gehört hatte, war mir sofort klar, dass genau dieses performative Musikkartenspiel den Schüler*innen der Mittelstufe sehr viel Spaß machen würde. Das Stück besteht aus dem Zusammenklang musikalisch-sprachlich-gestisch-theatraler Elemente. Die Dynamik, die dabei zwischen der sichtbaren und der hörbaren Ebene entsteht, ist entscheidend für den Verlauf des Spiels, das immer wieder zusammenbrechen und von Neuem beginnen kann.

Die Arbeits-und Experimentierphase versetzte die Schüler*innen tatsächlich sehr schnell in die Spiel-Stimmung, die ganz andere Kräfte freisetzt, nämlich das Didaktisch-Nicht-Verfügbare: den Glückszustand.[1]

Der kreative Umgang mit dem Original sollte den Schüler*innen ermöglichen, das Werk auf angemessene Art und Weise zu interpretieren, die vorfindbaren Modelle zu verformen und eigene Ideen zu erproben, sodass sie keine Bedenken und Ängste haben mussten, etwas nicht auf dem erwarteten Niveau wiedergeben zu können. Den Schüler*innen war sehr schnell klar, dass sie sich bei der Interpretation von Your turn auf ein Experiment einlassen: Für das spielerische Entdecken verschiedener Lösungen mussten sie viel Lust an Irritationen mitbringen, um damit das Gewohnte zu hinterfragen und Ungewohntes zu kreieren, ohne dabei albern zu wirken.

Die Frage, die in der Anfangsphase in den Vordergrund rückte, war: Ist diese Form des Musizierens mit der ganzen Schulklasse möglich?  Einige Monate nach dem Projekt lässt sich das ganze Geschehen am besten mit den Worten von Peter Röbke zusammenfassen, dass zeitvergessenes, zielvergessenes und auch manchmal didaktikvergessenes Musizieren sich am besten in Gruppen vollziehe – in einem sozialen Gefüge mit vielfältigen, nahezu unüberschaubaren internen Beziehungen, in einem Systemzusammenhang mit kaum berechenbarer Dynamik.[2]


[1] Detailliert zum Thema siehe: Ulrich Mahlert, Glück im Musizieren. Erscheinungsformen, Bedingungen, Ermöglichungen. In: Herzstück Musizieren. Instrumentaler Gruppenunterricht zwischen Planung und Wagnis, Natalia Ardila-Mantilla, Peter Röbke (Hg.), Schott 2016, Mainz, S. 65-77. [2] Vgl.: Peter Röbke, Von der Unverfügbarkeit des Musiziermoments. Eine Spurensuche in der Instrumentalpädagogik. In: Herzstück Musizieren. Instrumentaler Gruppenunterricht zwischen Planung und Wagnis, Natalia Ardila-Mantilla, Peter Röbke (Hg.), Schott 2016, Mainz, S. 58


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