Sie sind hier: Musicademy / QRS / Satie, E.
12.12.2018 : 1:44 : +0100
Glossar

Zeigen Sie mit der Maus auf einen unterstrichenen Begriff, um hier mehr Informationen zu erhalten.

Erik Satie

Erik Satie (mit vollem Namen Alfred Éric Leslie Satie)
(* 17. Mai 1866 in Honfleur (Calvados); † 1. Juli 1925 in Paris)

Eric Satie gilt als einer der eigenwilligsten Erscheinungen der französischen Musikszene. Die skurrilen und exzentrischen Ideen des ernsthaften Clowns der Musik verblüffen und verunsichern Kritik und Publikum. Der Sonderling verachtet auf ironische Weise die raffinierten Klänge Wagners und Debussys und fordert eine Rückkehr zur Einfachheit.

Der Vater hat kurz nach Erics Geburt sein Schiffsmaklergeschäft verkauft und ist mit der Familie nach paris gezogen. Da Alfred Satie nicht viel für moderne Pädagogik übrig hat, braucht Eric nicht in die Schule zu gehen. Er erhält einen Privatlehrer und bekommt den ersten Klavierunterricht. Der 13-Jährige besucht das Konservatorium in Paris. Eric will Pianist werden, denn, «Pianist zu sein, Unterricht und Konzerte zu geben, ist die begehrenswerteste der Lebensformen», findet er. Doch der trockene Klavierunterricht macht ihm keinen Spaß, 3 Jahre später muß der junge Satie wegen unzureichender Leistung das Konservatorium verlassen.

Nach einem Streit mit den Eltern, wegen einer Liebesaffäre mit dem Dienstmädchen, zieht der 21-Jährige von zu Hause aus. Er wohnt im Künstlerviertel Montmartre und verkehrt im berühmten Cabaret «Chat noir», zu dem er sich magisch hingezogen fühlt, denn hier treffen sich Komponisten, Maler, Literaten und die berühmtesten Chansonniers. Die bohemehafte und künstlerische Welt verändert Leben und Denken Saties von Grund auf.

Der junge Wilde wird zweiter Pianist im «Chat noir». Er komponiert Märsche, Walzer und vor allem Chansons. In dieser Zeit entstehen seine ersten berühmten Klavierstücke, die Trois Gymnopédies und die Trois Gnossiennes. Er freundet sich mit dem schon berühmten impressionistischen Komponisten Claude Debussy an.

Vielleicht wäre es ein ernsthaftes Musikerleben geworden, wenn Satie nicht durch den Tod des Vaters ein Vermögen von 7.000 Francs geerbt hätte. Sein großer Wunsch, ein freier Mann und Musiker zu sein geht in Erfüllung. Seine Handlungen werden extravagant, überspannt, ja zuweilen sogar absurd.

Nach dem Bruch seines einzigen Liebesverhältnisses zu dem Malermodell Suzanne Valadon, stürzt er in eine tiefe Krise. Die begonnene Komposition seiner Messe des pauvres wird nie fertig. Sein Erbe ist aufgebraucht. Er verlässt Montmartre und zieht in den Pariser Vorort Arcueil. Hier lebt der Komponist zwölf Jahre lang in ärmlichen Verhältnissen, neben einigen zauberhaften Chansons schreibt er die Operette für Marionetten Jack in the Box und kümmert sich um das Lokalgeschehen von Arcueil.

1911 aber beginnt ganz unerwartet das Comeback, da Debussy die drei Gymnopédies des armen «Monsiuer pauvre» – so nannte man Satie inzwischen – mit großem Erfolg aufführte. Die Kritiker sind begeistert und die Verleger wittern eine neue Mode. Satie verspürt wieder Lust zu komponieren und es entstehen 1914 seine kleinen Klavierstücke 21 Sports et divertissements. Ein Jahr später lernt Satie den Maler und Schriftsteller Jean Cocteau kennen und sie beschliessen gemeinsam mit Picasso ein Ballett zu machen. Ein Jahr lang beschäftigt sich Satie mit der Komposition, in die er Elemente der neuen amerikanischen Musik, des Jazz, einbaut. Als absolute Neuerung aber verwendet der exzentrische Komponist Alltagsgeräusche, so eine Klingel, Revolverschüsse, Dynamogeräusche und Schreibmaschinengeklapper. Das Stück wird nicht nur berühmt sondern löst auch einen Skandal aus. Die Musik von Parade wird für eine Reihe junger Musiker zum Inbegriff einer neuen französichen Musik.

1920 soll Satie für die Pause einer Veranstaltung Musik komponieren. «Wir werden Möbelmusik machen. So wie  man Möbel nicht mehr wahrnimmt, so wäre es doch amüsant, Musik zu haben, auf die man nicht mehr hinhören muss, also gleichsam Musik als Ausstattungs- oder Hintergrundsmusik.»
Wie schade, dass Eric Satie, den Siegeszug seiner Musique d'ameublement nicht mehr erleben konnte. Er stirbt am 1. Juli 1925 mit 59 Jahren in Paris.