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15.10.2019 : 21:13 : +0200

Glossar

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Zahlenzauber und Musikmagie

Der «Zahlenzauber», einer der Begriffe, mit denen Thomas Mann 1918 Musik als dialektisch-widersprüchliche Kunst charakterisierte, gehört buchstäblich seit Jahrtausenden zum ideologischen Kontext von Musik - aber auch zur Musik selbst. Er ist, paradox fast, Teilmoment von vor-rationaler, universistischer Musikmagie wie zugleich rationales Antidot vor allem gegen deren ekstatisch-orgiastische Akzentuierung, die neben kathartischen, aufbauenden auch [selbst-) zerstörerische Tendenzen hat: Die rasenden Mänaden oder Bacchantinnen, die nicht nur Pentheus, sondern auch Orpheus zerfleischen, sind dafür ein mythisches Menetekel. Die widersprüchliche Einheit von Maß/Zahl und Ekstase, von körperlich-sinnlicher Erregung und geistiger, abstrahierender Bändigung und Beruhigung bilden eine innere Polarität, die sich in Gehalt und Gestalt wie in Wirkungen und Funktionen von Musik machtvoll äußert.

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