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23.10.2019 : 22:40 : +0200

Abenteuer Neue Musik

«screen» – Markus Hechtle

Glossar

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György Sándor Ligeti

Am 28.5.1923 als Sohn ungarisch-jüdischer Eltern in Dicsőszentmárton (heute Tîrnăveni, Siebenbürgen) geboren. Von 1941 bis 1943 studierte er bei Ferenc Farkas am Konservatorium in Klausenburg, von 1945 bis 1949 an der Franz-Liszt-Akademie in Budapest bei Ferenc Farkas, Sándor Veress, Pál Járdányi und Lajos Bárdos. Schon bald entwickelte er die Mikropolyphonie, die später zu einem seiner wichtigsten Stilmerkmale werden sollte. In den frühen Stücken wie dem a cappella-Chorwerk "Éjszaka Reggel" und seinem ersten im Westen erfolgreichen Stück "Apparitions" ist dieser Stil bereits voll ausgeprägt. 

Nach dem Ungarnaufstand verließ er im Dezember 1956 sein Heimatland aus künstlerischen und politischen Gründen. Während der Zeit als freier Mitarbeiter im Studio für elektronische Musik des WDR Köln (1957-58) setzte er sich intensiv mit der Musik von Karlheinz Stockhausen, Mauricio Kagel und Pierre Boulez auseinander, was sich musikalisch in seinem Werk "Artikulation" niederschlägt. Dieses Stück sowie das 1961 entstandene "Atmosphères" für großes Orchester machten den Namen György Ligeti in der westlichen Musikwelt mit einem Schlag bekannt. 

Seine lange Lehrtätigkeit im In- und Ausland führte ihn zuletzt von 1973-89 als Professor für Komposition an die Hamburger Musikhochschule. Sein erstes abendfüllendes Bühnenwerk "Le Grand Macabre" entstand zwischen 1974 und 1977 nach einer Fabel von Michel de Ghelderode. Ligetis komplexe polyrhythmische Kompositionstechnik ist die Grundlage für seine Werke der achtziger und neunziger Jahre (z.B. für die "Etudes pour piano", mit deren Komposition er 1985 begann, das "Konzert für Klavier und Orchester", das zwischen 1985 und 1988 entstand, das "Konzert für Violine und Orchester" aus den Jahren 1990-92 und die "Sonate für Viola solo" aus den Jahren 1991-94). 

Zahlreiche Preise und Ehrungen dokumentieren die hohe Wertschätzung, die dem Werk György Ligetis und ihm selbst als Lehrer und Mentor einer ganzen Komponistengeneration zuteil werden. Neben den Mitgliedschaften in der Freien Akademie der Künste in Hamburg und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München seien hier folgend nur stellvertretend genannt: die Aufnahme in den "Orden Pour le mérite für Wissenschaft und Künste" 1974, die Ernennung zum "Commandeur dans l'Ordre National des Arts et Lettres", Paris 1988, der "Prix de composition musicale de la Fondation Prince Pierre de Monaco", den er im gleichen Jahr erhielt, der Musikpreis der Balzan-Stiftung, der ihm ebenso wie der "Praemium Imperiale" im Jahre 1991 verliehen wurde, der "Ernst-von-Siemens-Musikpreis" 1993, der UNESCO-IMC-Musikpreis" 1996, sowie die Ehrenmitgliedschaft der Rumänischen Akademie 1997 und die Ernennung zum "Associé étranger" der "Académie des Beaux Arts", Paris 1998. 

Am 9. Oktober 2000 wurde der Komponist in Helsinki mit dem Sibelius-Preis der Jenny und Antti Wihuri-Stiftung ausgezeichnet und 2001 erhielt er für sein Lebenswerk den Kyoto-Preis für Kunst und Wissenschaft. Von dem Senat der Stadt Hamburg erhielt Ligeti zu seinem 80. Geburtstag die Medaille für Kunst und Wissenschaft, die Stadt Frankfurt verlieh ihm am 13. September 2003 den Theodor W. Adorno-Preis. Im Jahr 2004 erhält er den Polar-Musikpreis der Königlichen Musikademie Schweden.

György Ligeti starb am 12. Juni 2006 in Wien.

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