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16.10.2019 : 21:15 : +0200

Modi

Die modalen Tonleitern sind die Skalen der frühchristlichen Liturgie des Mittelalters. Deshalb nennt man die Modi im allgemeinen Sprachgebrauch auch «Kirchentonarten». Nachdem man im 9. Jh. die Modi zunächst durchnummeriert hatte, verlieh man ihnen im 10. Jh. die Namen der altgriechischen Skalen. Jedoch leiten sich die Modi nicht von den Skalen der Antike ab.

Es gibt sieben Modi: Die «alten» Modi Dorisch, Phrygisch, Lydisch und Mixolydisch, die seit dem 6. Jh. Grundlage für die einstimmigen Gregorianischen Gesänge und die frühe Mehrstimmigkeit waren; die «neuen» Modi Ionisch und Aeolisch, die im 16. Jh. hinzu kamen und aus denen sich die Dur- und Moll-Tonarten ableiteten; und schließlich mit Lokrisch ein Modus, der wegen der dissonanten verminderten Quinte zwischen der 1. und 5. Stufe in der mittelalterlichen Musik kaum eine Rolle spielte und erst in der Jazzharmonik des 20. Jh. an Bedeutung gewann.

[1.10.1. Klicken Sie auf die Tonleitern, um sie zu hören.]

Die sechs alten und neuen Modi haben zwei Erscheinungsformen: eine authentische und eine plagale. In der authentischen Gestalt beginnt die Skala auf dem Grundton, der sogenannten Finalis, während in der plagalen Gestalt die Skala auf der Unterquarte beginnt. Den plagalen Tonleitern wird in der Benennung die Silbe «Hypo»- vorangestellt, z. B. Hypodorisch.

[1.10.2 plagale Tonleiter]

Auch wenn sich im 16./17. Jh. aus der ionischen und aeolischen Tonart die Dur- und Moll-Tonarten entwickelten und diese die Modi als Standard verdrängt haben, wäre es doch zu kurz gegriffen, die Bedeutung der modalen Skalen auf das Mittelalter und die Kirchenmusik des Barock zu beschränken. Denn auch im klassisch-romantischen Zeitalter der Dur-Moll-Tonalität griffen Komponisten wie z. B. Johannes Brahms immer wieder auf die Modi zurück zugunsten plagaler, nicht leittönig geprägter Wendungen.

Heutzutage begegnen uns die modalen Skalen weiterhin in den christlichen Kirchenliedern sowie auf vielfältige Weise in Jazz und Rock, wo sich auch die lokrische Skala für halbverminderte Akkorde und dissonanzreiche Klänge einiger Beliebtheit erfreut.