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12.12.2019 : 11:32 : +0100

Das Projekt

von Philipp Schäffler

Projekte sind einmalige und in der Regel komplexe Aufgabenstellungen, die aus dem Alltag herausfallen. Sie sind bestimmt durch ein eindeutiges Projektziel, anhand dessen am Ende des Projektes über Erfolg oder Misserfolg entschieden werden kann. Entscheidend ist ein klar vorgegebener Aufbau des Projektes. Meine Erfahrung ist, dass Schüler ausgesprochen motiviert und konzentriert arbeiten, wenn ihnen das Ziel – in diesem Fall galt es eine Komposition zu entwickeln, die zu einem festgelegten Termin der Klasse vorgestellt werden musste – und der Zeitplan bewusst ist.

Ich habe das Projekt mit Schülern einer 10. Klasse am Christlichen Gymnasium in Jena durchgeführt. Es handelte sich um eine ganz «normale» Schulklasse ohne Musikprofil. In Thüringen wird Musik in Klassenstufe 9 und 10 nur einstündig unterrichtet. An meiner Schule werden diese zu Doppelstunden zusammengefasst, so dass die Schüler nur ein Halbjahr Musikunterricht erhalten. Für ein derartiges Projekt sind Doppelstunden äußerst sinnvoll, da die Schüler so über einen längeren Zeitraum konzentriert arbeiten können.

Insgesamt hat das Projekt 8 Doppelstunden gedauert und streng genommen sieht das der Thüringer Lehrplan nicht vor. Wenn man jedoch erlebt, wie die Schüler mit ihrer Aufgabe wachsen, sich zunehmend mit dem Projekt identifizieren, ist diese Zeit mehr als gerechtfertigt. 16 Stunden sind eine durchaus realistische Zahl, wenn man am Ende brauchbare Ergebnisse haben will. Kreativität braucht Zeit. Haben Sie den Mut, sich diese Zeit zu nehmen.

Dennoch ist es natürlich möglich, den im Folgenden vorgestellten Projektverlauf zu straffen, abzuändern oder einen anderen Schwerpunkt zu setzen. Der Komponist Jay Schwartz bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte an die Musikgeschichte. Er erzählte mir, wie sehr ihn die Musik des Mittelalters und die Polyphonie Johann Sebastian Bachs faszinieren. Der Fokus des Projekts war jedoch nicht, Jay Schwartz musikgeschichtlich einzuordnen oder die Form einer Passacaglia in seiner Musik freizulegen, sondern die Schüler zu eigenen Kompositionen anzuregen.

Die Komposition Music for five stringed instruments von Jay Schwartz diente als Ausgangspunkt und Inspirationsquelle. Das Stück liegt in einer elektronischen und einer instrumentalen Version vor und eröffnet so ein Spannungsfeld, in dem es sich zu positionieren gilt. Die entstandenen Kompositionen der Schüler kann man durchaus als Positionierungen interpretieren und haben auf fast wundersame Weise wiederum das Hören beflügelt.

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