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13.12.2019 : 17:53 : +0100

Biografie

Geboren wurde Vito Žuraj 1979 in Maribor, der mit knapp 100.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Sloweniens. Schon sehr früh kam er im Elternhaus – der Vater ist Chorleiter und Komponist – mit Musik in Berührung und lernte Klavier- und Cellospielen. Zum Kompositionsstudium ging er 1997 an die Musikakademie nach Ljubljana zu Marko Mihevic.

Schon vor seinem Abschluss dort (2002) studierte er, ermöglicht durch einen Erasmus-Austausch, ab 2001 zunächst parallel Komposition in Dresden bei Jörg Herchet, ab 2002 dann bei Lothar Voigtländer. 2004 wechselte Žuraj zu Wolfgang Rihm nach Karlsruhe, wo er von 2006 bis 2009 noch ein Studium der Musikinformatik bei Thomas A. Troge anhängte.

Während er, nach eigener Darstellung, in Ljubljana vornehmlich «aus dem Bauch heraus» musizierte, beschäftigte er sich in Deutschland eingehend mit der Erforschung musikalischer Strukturen, woraus er weit reichende Konsequenzen für sein eigenes Schaffen zog. Ein weiterer entscheidender Schritt in seiner künstlerischen Entwicklung war die Aufnahme Žurajs als Kompositionsstipendiat in die Internationale Ensemble Modern Akademie (IEMA) im Jahrgang 2009/2010. Die intensive Auseinandersetzung mit den anderen Stipendiaten und den Musikern des Ensemble Modern empfand er als wesentliche Bereicherung, zumal er mit diesem Ensemble Modern, vor allem mit einzelnen Solisten wie dem Hornisten Saar Berger, bis heute zusammenarbeitet.

2011 nahm Vito Žuraj außerdem am Kompositionsseminar der IEMA teil. Von 2011 bis 2013 war er Stipendiat der «Akademie Musiktheater heute» der Deutsche Bank Stiftung, in deren Rahmen er sein erstes Musiktheaterwerk «Orlando. Schloss» schrieb. 

2012 gewann er den Stuttgarter Kompositionspreis für sein Stück «Changeover» für Instrumentalgruppen und Sinfonieorchester (2011), 2014 war er Jahresstipendiat der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo, 2015 erhielt er das «Arnhold-Stipendium, Position». Mittlerweile erklingen seine Werke international auf Konzertbühnen und Festivals, nicht nur auf Spezialfestivals für Neue Musik wie Ultraschall Berlin, «cresc…», Biennale für Moderne Musik Frankfurt Rhein Main, oder den Wittener Tagen für neue Kammermusik, sondern etwa auch bei den Salzburger Festspielen.

Zu Vito Žurajs Interpreten und Auftraggebern zählen Klangkörper wie New York Philharmonic, hr-Sinfonieorchester, Radio-Sinfonieorchester Stuttgart, Ensemble Modern, Klangforum Wien, ensemble recherche und RIAS Kammerchor, geleitet von renommierten Dirigenten wie Matthias Pintscher, Johannes Kalitzke, Sylvain Cambreling, Emilio Pomàrico, Beat Furrer, Brad Lubman oder Franck Ollu. Auch in der pädagogischen Arbeit engagiert sich Vito Žuraj seit vielen Jahren.

Seit 2007 hat er einen Lehrauftrag für Instrumentation, Orchestrierung und Notation in der Neuen Musik und Gregorianischen Choral an der Karlsruher Musikhochschule. An der Musikakademie in Ljubljana trat er 2016 eine Professur für Komposition und Musiktheorie an, womit sich der Kreis zum Beginn seiner eigenen Ausbildung schloss. 

[Egbert Hiller]

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