Sie sind hier: Musicademy / Abenteuer Neue Musik / Mini-Projekte / Klangparcours
20.4.2021 : 16:11 : +0200

«KLANGPARCOURS»

Konzipiert von Silke Egeler-Wittmann, angeregt durch das Projekt zu «Run Time Error» von Simon Steen-Andersen



Adressaten

 Weiterführende Schule ab etwa 7./8. Klasse

Thema der Projektstunde/-einheit

Einen Klangparcours nach dem Vorbild von Simon Steen-Andersens (hier abgekürzt SSA) «Run Time Error» entwickeln

Ziele

  • Sichtbarkeit und Sichtbarmachen von Klängen
  • Wahrnehmung erweitern, Sinne schärfen für vermeintlich unbedeutende Alltagsgegenstände und ihren Klang in der Umgebung
  • Klangerzeuger neu kontextualisieren und in einen musikalisch gestalteten Zusammenhang bringen
  • Eine kompositorische Versuchsanordnung selbstständig vorbereiten, organisieren, durchführen und filmisch dokumentieren

Zeitlicher Umfang

Präsenzunterricht:
Mit allen Projekteinheiten 10 Stunden. Bei einer Reduzierung der vorbereitenden Warm-ups und Spielkonzepte 6 Stunden

Distanzunterricht:
4 Stunden (je nach Aufwand bei der Erstellung des Parcours und der Videoproduktion auch mehr)

Materialien

Präsenzunterricht:
Für die einführenden Spielkonzepte: Glasflaschen, Metalldosen, Tageszeitungen, Golfball. Für die Parcours: Alles, was im Schulhaus vorhanden ist und bespielt werden darf.

Distanzunterricht:
Da die jeweilige Umsetzung laut Steen-Andersens Konzept immer auf einen bestimmten Ort bezogen ist, alles, was sich zuhause (im eigenen Zimmer, Wohnung, Haus, Garage, Garten) findet.

Methode

Die Vorgehensweise bei der kompositorischen Gestaltungsarbeit ist hier wie in vielen anderen Zusammenhängen ähnlich und lässt sich in folgenden Schritten organisieren:

  1. Klänge suchen und untersuchen, mit Klängen frei experimentieren
  2. Klangmaterial beschreiben, ordnen, eventuell notieren
  3. Klänge auswählen, Klangfolgen erstellen und festlegen – Komponieren
  4. Komposition notieren (je nach Voraussetzung: frei, verbal, grafisch oder konventionell)
  5. Komposition einüben
  6. Präsentieren

Die Durchführung erfolgt im Präsenzunterricht in größeren Gruppen und kleineren Teams.

Arbeitsauftrag

  • AB 1: Simon Steen-Andersens Run Time Error-Video analysieren und Regeln ableiten
  • AB 2: Eigenes Parcours-Video vorbereiten und realisieren

(Siehe Materialien > Arbeitsblätter)

Ablauf

Präsenzunterricht:

  • Übungen, Warm-ups und Videobeispiele zum Thema «Musik mit Alltagsgegenständen»
  • SSAs Run Time Error-Video ansehen und Fragen auf Arbeitsblatt 1 bearbeiten. Ziel ist es, die dem Werk zugrundeliegenden Regeln grob zu erarbeiten, ohne dass sie bereits hier explizit formuliert werden müssen.
  • Übungen und Konzepte, mit denen die eigene Produktion der Run Time Error-Videos vorbereitet wird, indem sie die Frage der formalen Gestaltung von Abläufen beim Erstellen eines Klang-Parcours aufgreifen und trainieren.
  • Rekapitulieren der zu berücksichtigenden Regeln, dabei besonders auf die dritte Regel eingehen und Beispiele finden (eigene oder aus SSAs Video):
    1. Es dürfen nur Objekte und Instrumente verwendet werden, die vor Ort sind.
    2. Jedes Objekt oder Instrument darf nur einmal verwendet werden
    3. Jeder Klang und jede Aktion muss einen unmittelbaren Bezug zum/zur vorangegangenen bzw. nachfolgenden Klang/Aktion haben
  • Eigenes Parcours-Video vorbereiten und realisieren, siehe Hinweise auf Arbeitsblatt 2
  • Präsentation, Reflexion in Bezug auf Referenzvideo von SSA

Distanzunterricht:
Im Grunde der gleiche Ablauf wie im Präsenzunterricht, wobei auf die in der Gruppe umgesetzten Warm-ups und Spielkonzepte verzichtet werden muss. Die Arbeitsaufträge werden modifiziert mit Hinweisen auf Links zu den Videos und genaueren schriftlichen Arbeitsanweisungen, die im Präsenzunterricht verbal gegeben werden. Vor der Erstellung des finalen Klang-Parcours werden Übungsparcours mit vorgegebenen Materialien ausprobiert.

Die Rückmeldungen sind abhängig von den gegebenen Möglichkeiten der Schulen: Videokonferenz, Lehrvideo, schriftlich individuell, Beispiellösungen etc.

Hinweise zur digitalen Umsetzung

Da das Projekt ohnehin produktorientiert in der Erstellung eines Videos münden soll, bietet sich ein gegenseitiger digitaler Austausch dazu an. Eine schöne Idee wäre die Verkettung einzelner Parcours, indem man sie aneinander schneidet. Das funktioniert aber nur dann, wenn im Sinne des Komponisten Regel 3 berücksichtigt wird. Hier müssen sich also die Beteiligten untereinander vorher abstimmen. Ein von SSA bevorzugtes «Motiv» ist der Golfball, dieser könnte sich als Cue eignen (z.B. endet eine Videosequenz mit dem rollenden Golfball und startet in der nächsten damit, wobei er dann in neuer Umgebung und auf anderem Untergrund zu sehen und vor allem zu hören ist).

Schwierig könnte es werden, wenn man den Parcours alleine bespielt und zugleich filmen möchte – man sollte hier eine weitere Person bitten, die Rolle des «Kameramanns» zu übernehmen.

Wichtig ist der datenschutzrechtliche Hinweis auf den Schutz der Privatsphäre – die Jugendlichen sollten sich mit ihren Eltern/Geschwistern darüber abstimmen, ob diese damit einverstanden sind, wenn in ihren gemeinsam genutzten Räumen gefilmt wird und persönliche Gegenstände oder Personen zu sehen sind, und ihre Ideen zur Umsetzung der Parcours entsprechend modifizieren.

Auswertungs-/Reflexionsmöglichkeiten

Die ausgefüllten Arbeitsblätter geben der Lehrkraft Rückmeldung, ob und wie SSAs Video verstanden wurde und über den Arbeitsprozess am eigenen Parcours. Das fertige Video kann am Ende Gegenstand einer gemeinsamen Reflexion sein – man kann sich darüber austauschen (Forum), was man an den jeweils anderen besonders gut oder überarbeitungswürdig fand.

Nach oben